Für Gabriela Schiestl von Zillertalkamin ist das Rauchfangkehren ihr absoluter Traumjob.
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Glücksbringerin am Dach

Für Gabriela Schiestl von Zillertalkamin ist das Rauchfangkehren ihr absoluter Traumjob.
© Vielsaitig/Ing. Thomas Buchberger

Sie ist die Spezialistin in allen Heizungsfragen: Gabriela Schiestl ist Rauchfangkehrer-Meisterin und führt ihr eigenes Unternehmen Zillertalkamin in Ramsau im Zillertal.

Als älteste von drei Kindern ist Gabriela Schiestl mit dem Kaminkehren aufgewachsen. „Mein Vater hatte den Rauchfangkehrer-Betrieb und die Kaminkehrer waren bei uns daheim immer präsent. Das hat mir gefallen“, erinnert sich Gabriela Schiestl zurück und erzählt weiter: „Schon in der Volksschule war mir klar, dass ich selber einmal Kaminkehrerin werden und dann selbstständig sein möchte. Da bin ich von einigen ausgelacht worden.“ Aber das brachte die Zillertalerin nicht von ihrem Weg ab: Als einziges Mädchen in ihrer Klasse absolvierte sie die Berufsschule in Innsbruck, legte die Gesellenprüfung ab und war zwei Jahre später die jüngste Rauchfangkehrer-Meisterin in Tirol. „Man muss sich als Frau in der Branche vom ersten Tag an durchsetzen. Denn natürlich gibt es das Vorurteil, dass eine Frau das nicht kann“, weiß Schiestl aus eigener Erfahrung.

1996 übernahm sie schließlich den Betrieb ihres Vaters und ist seitdem Unternehmerin mit Herz, Leib und Seele. „Ich bin stolz darauf, dass ich selbstständig sein kann, mit allen positiven und negativen Aspekten. Meine Berufswahl und den Schritt in die Selbstständigkeit habe ich noch keinen einzigen Tag bereut“, gerät die Unternehmerin ins Schwärmen. Das Leuchten in ihren Augen unterstreicht ihre Aussagen zu 100 Prozent.

LIM-Stv. Gabriela Schiestl

Zillertalkamin hat mehrere Standbeine

Gemeinsam mit ihrem Mann Karl-Heinz hat Gabi Schiestl ihr Unternehmen Schritt für Schritt ausgebaut. Neben dem Rauchfangkehren bietet sie ihren Kunden auch die Wartung und Instandhaltung von Holz-, Öl- und Gaszentralheizungen samt Brennerservice an. Bei der Umstellung auf ein modernes und energiesparendes Heizungssystem ist meist eine Kaminsanierung notwendig. Auch hier ist Gabi Schiestl mit ihrem Team der Ansprechpartner Nummer eins, genau wie im Bereich der brandschutztechnischen Beratung und Betreuung. Ein Ofenstudio mit Kaminöfen und Herden rundet das breite Leistungsspektrum ab.

Das Arbeiten in der Natur, der Kontakt zu den Menschen und dass man mit den eigenen Händen etwas bewirken kann, macht das Rauchfangkehren zum Traumjob der Landesinnungsmeister-Stellvertreterin. Seit zehn Jahren sind die administrativen Arbeiten im Büro Schiestls Hauptaufgabe. „Ich rufe meine Kunden einen Tag vor ihrem Termin an und frage nach, wie die aktuelle Lage ist. Ob der Termin passt und ob sie sonst noch etwas brauchen. Dieses System hat sich bewährt und so bleibe ich mit meinen Kunden persönlich in Kontakt, das ist mir sehr wichtig. Oft braucht es für diese Telefonate etwas mehr Zeit“, schmunzelt die Unternehmerin und ergänzt: „Ich kenne ja alle Kunden persönlich, da muss für einen Ratscher auch Zeit sein. Der Kaminkehrer genießt nach wie vor einen guten Stellenwert, das freut mich.“ Darüber hinaus ist der Rauchfangkehrer auch system- und sicherheitsrelevant, wie Schiestl erklärt: „Die Feuerpolizeiordnung und damit die Reinigungs- und Überprüfungszeiten müssen jedenfalls eingehalten werden.“

Seit 24 Jahren führt Gabi Schiestl ihr Unternehmen Zillertalkamin in Raumsau, das sie mit ihrem Mann Schritt für Schritt ausgebaut hat.
Seit 24 Jahren führt Gabi Schiestl ihr Unternehmen Zillertalkamin in Raumsau, das sie mit ihrem Mann Schritt für Schritt ausgebaut hat.
© Vielsaitig/Ing. Thomas Buchberger

Sechs Mitarbeiter gehören zum Team von Gabi Schiestl, fünf Kaminkehrer-Gesellen und ein Lehrling. Es ist ein Stamm-Team, alle Mitarbeiter sind schon lange dabei. „Mein langjährigster Mitarbeiter arbeitet seit 45 Jahren für das Unternehmen, er hat damals bei meinem Vater angefangen. Jetzt bildet er unseren Lehrling aus und wird dann in Pension gehen“, beschreibt Schiestl. Für zehn Gemeinden mit 3.000 Haushalten im hinteren Zillertal ist das Team von Zillertalkamin zuständig.

Die Digitalisierung schreitet in allen Bereichen zügig voran und hat auch vor der Branche der Rauchfangkehrer nicht Halt gemacht. „Wir arbeiten mit neuesten Messgeräten, da ist es Grundvoraussetzung, dass meine Mitarbeiter sie richtig bedienen und die Messergebnisse lesen können“, unterstreicht Schiestl. Generell gehen die Aufgaben der Rauchfangkehrer immer mehr in Richtung Umweltschutz. „Nur Kehren gibt es heute nicht mehr. Wir machen jeden Tag vor Ort bei unseren Kunden eine Heizberatung. Beratungsgespräche gehören immer dazu. Und auch die Abgasmessungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit.“

Das neue Jahr ist schon zum Greifen nahe. Da sind die Rauchfangkehrer dann wieder besonders präsent in ihrer Rolle als Glücksbringer. Früher waren Kamin- und Hausbrände noch viel gefährlicher, oft wurden dadurch ganze Dörfer und Städte zerstört. War der Kamin verstopft, konnte auch nicht geheizt oder das Essen zubereitet werden. Abhilfe konnte der Kaminkehrer schaffen, daher kommt die Tradition des Glücksbringers. „Wenn wir einen Beitrag dazu leisten können, dass wir im neuen Jahr Glück bringen, dann freut uns das umso mehr“, sagt Gabi Schiestl abschließend.

Funktionärssteckbrief Gabriela Schiestl

Was hat Sie dazu motiviert, Funktionärin zu werden? 

Mit dem Entschluss den Beruf des Rauchfangkehrers zu erlernen, um in späterer Folge den elterlichen Betrieb zu übernehmen, stand für mich fest, mich auch gleichzeitig für diesen Berufsstand einzusetzen. Noch vor meiner Funktionärstätigkeit in der Wirtschaftskammer war ich eine der Hauptinitiatorinnen bei der Gründung der Werbegemeinschaft „der Tiroler Kaminkehrer”.

Worauf sind Sie in Ihrer Funktionärstätigkeit stolz?

Ich bin sehr stolz, durch diese Position meinen Beruf nach außen vertreten zu dürfen. Damit habe ich auch die Möglichkeit, bei wesentlichen Änderungen bzw. Neuerungen an vorderster Front mitzuwirken. Geehrt fühle ich mich, dass ich als Frau in diesem männerdominierten Beruf das Vertrauen von meinen Kollegen bekommen habe, der Branche an der Seite des Innungsmeisters als Stellvertreterin vorzustehen.

Welche Ziele verfolgen Sie als Funktionärin?

Ich möchte helfen, die „Tiroler Kaminfachleute“ in einem sich ständig ändernden Umfeld in eine wirtschaftlich sichere Zukunft zu führen. Dazu gehört auch die zeitgemäße Ausbildung der nächsten Generation. So ist es mir ein großes Anliegen, das Image der Lehre auf eine dem Berufstand gerechte Ebene zu bringen.

Alle Portraits auf der Website unserer Funktionäre!

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