Lebenselexier Wasser: Weit mehr als ein Durstlöscher

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Wasser hat einen enormen Wert – ob als touristisches Erholungs-Nass genutzt oder in ursprünglichster Form getrunken.
Wasser hat einen enormen Wert – ob als touristisches Erholungs-Nass genutzt oder in ursprünglichster Form getrunken.
© noon@photo/stock.adobe.com

Rund 10.000 Quellen und 4.000 Brunnen lassen in Tirol knapp 40.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sprudeln. Hinter diesen Zahlen steckt auch ein Schatz mit gigantischen ökonomischen Dimensionen.

In und an den Tiroler Seen ballt sich eine Spezialität, die nicht nur ein Geschenk der Natur ist, sondern zudem eine starke ökonomische Basis – für den Tourismus und noch viel mehr: Das Tiroler Wasser. Rund 10.000 Quellen und 4.000 Brunnen lassen in Tirol knapp 40.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde sprudeln. Allein die gerundeten Zahlen deuten darauf hin, wie üppig dieser nasse Schatz verteilt wird. Und in Seen wird er gerne „gefangen“. Hechtsee, Heiterwangersee, Lauchsee, Lanser See, Plansee, Stimmersee, Urisee, Haldensee, Walchsee, Berglsteinersee, Tristachersee, Piburger See – ganz egal wo – alle sind sie Magnete für Erholung und für das Auge.
Nicht minder beeindruckend sind jene Plätze, wo sich das Wasser mit großem Getöse der Schwerkraft hingibt.

Über die Jahre auf feine Weise zugänglich gemacht, halten die Tiroler Wasserfälle jedes Versprechen. Wenn der Stuibenfall bei Umhausen im Ötztal beispielsweise bis zu 2.000 Liter Wasser pro Sekunde über die Felskante fließen lässt, ist es den Betrachtern unmöglich, sich zu entziehen. Erst 2016 wurde dort eine Wege- und Stufenkonstruktion neu eröffnet, die das Naturereignis im wahrsten Sinne hautnah erleben lässt. Der Stuibenfall hat die größte Fallhöhe aller Wasserfälle des Landes, der Grawa-Wasserfall im hinteren Stubaital ist mit 85 Metern der breiteste der ganzen Ostalpen. Kletterer lieben die 150 Routen, die zur felsigen Linken wie zur nicht minder felsigen Rechten des Schleierwasserfalls am Wilden Kaiser in die Höhe führen und eine ewige mystische Erinnerung bleibt, wenn der Lötzer Wasserfall im Zammer Lochputz im Zuge einer Nachtwanderung erobert wurde. Auch mit Wasserfällen wurde Tirol reich beschenkt und trotz des fantastischen Tosens ist erwiesen, dass Wasserfälle beruhigend wirken und dass sie sogar helfen können, Allergien und Asthma zu heilen.

Dietmar Meraner
Dietmar Meraner

Heilendes Nass

Apropos Heilen. Dass das Tiroler Wasser in einer sensationellen Qualität seinen Weg aus den Bergen findet, wurde oft schon besungen und das zurecht. Ein paar ganz besondere Quellen, Heilquellen, stechen heraus und jede hat ihre nicht minder besondere Geschichte. Durch Zufall waren bei Häring beispielsweise Knappen auf die Schwefelquelle gestoßen, die Grundlage für den Gesundheitstourismus des Ortes werden sollte. Seit 1965 trägt Häring den Beinamen „Bad“ und 1996 wurde Bad Häring zum ersten „Bäderkurort“ Tirols, das bis dato ausschließlich Luftkurorte beheimatete.

Ähnlich schwefelig riecht es in Längenfeld, wo der dortigen Thermalquelle bereits im 16. Jahrhundert heilende Wirkungen zugeschrieben wurden. 2004 wurde die kurz unterbrochene Kurgeschichte des Ortes mit dem Aqua Dome fortgesetzt und neu geschrieben. Die nassen Besonderheiten ziehen Menschen aus der ganzen Welt an und es gibt auch Tiroler Heilwässer, die in die Welt hinaus gehen. In Obladis wird beispielsweise das Heil- und Mineralwasser des „Sauerbrunn“ abgefüllt und in Mehrn, einem Ortsteil von Brixlegg, das Mehrner Heilwasser. „Die Heilwasseranerkennung hat unser Wasser schon seit den 1960er Jahren. Das Heilbad Mehrn hat da schöne Vorarbeit geleistet“, stellt Alexander Fong, Geschäftsführer des Mehrner Heilwassers und des Therapiezentrums Bad Mehrn, fest.

Die Geschichte dieses Heilwassers ist beeindruckend. 1267 wurde die Quelle erstmals schriftlich erwähnt, doch reichen mündlich überlieferte Geschichten über die Quelle selbst und die heilende Wirkung ihres Wassers in die vorchristliche Zeit zurück. Die Mehrner Quelle, deren Nothelfer-Wasser diesen „Gesundbrunnen“ weit über die Grenzen des Landes berühmt machte, ist eine so genannte artesische Quelle. Das bedeutet, dass das Wasser nicht an die Oberfläche gepumpt werden muss, sondern aus eigener Kraft fließt. So, als würde es nach seiner langen Reise durch die spektakuläre Geologie raus und den Menschen helfen wollen. „Die Zusammensetzung unseres Wassers ist sehr besonders, sie ist ein großes Glück“, weiß Fong und hält fest: „Es gibt nur ganz wenige Heilwässer, die in der Form vertrieben werden, wie wir es machen. Der Markt ist sehr klein. Es ist eine Nische.“ Eine Nische, die das Mehrner Heilwasser immer besser zu besetzen versteht.

In Spar-Märkten wird es seit eineinhalb Jahren vertrieben, in den dm-Märkten ist es seit heuer zu finden und online jederzeit. „Wir sind auch in Deutschland vertreten. Es wird schön langsam immer mehr“, sagt Fong. Weil im Therapiezentrum, in dem neun Mitarbeiterinnen beschäftigt sind, ärztlich verordnete Therapien angeboten werden, konnte es auch in der Corona-Zeit geöffnet bleiben und das heilende Wasser in den Flaschen hat immer Saison. „Wir füllen alle zwei bis drei Wochen ab. Im Sommer, wenn viel bestellt wird, auch mal jede Woche“, erklärt Fong die Abfüll-Routine.

Grafik Mehrner Quelle in Brixlegg
Auch mit heilender Wirkung kann Tiroler Wasser glänzen – lange Tradition hat etwa die Mehrner Quelle in Brixlegg, die bereits 1267 erstmals urkundlich erwähnt und Mitte des 19. Jahrhunderts die Basis für das „Heilbad Mehrn“ wurde.
© Mehrner Heilwasser

Reichhaltige Durstlöscher

Nicht weit vom Heilbad Mehrn entfernt ist diese Routine ungleich straffer. Brixlegg, am Eingang zum Alpbachtal, ist ein Sammelbecken für ganz spezielles Tiroler Wasser, das in den Anlagen der Privatquelle Gruber als „SilberQuelle“ oder „Montes“ für die Welt abgefüllt wird. Knapp sechs Kilometer von Brixlegg entfernt nutzt die Rieder’s Quellbetriebe GmbH den unerschöpflichen Wasserreichtum, dessen Ursprung hoch über dem Zillertal verortet wird, um mit den Mineralwasser-Marken „Alpquell“, „Astoria“ und „Tiroler Quelle“ viel Durst zu löschen.

Die unmittelbare Nutzung, die Abfüllung direkt dort, wo das Wasser die reichhaltigen Gesteinsformationen angereichert mit deren Informationen verlässt, macht die Tiroler Mineral- und Heilwässer unvergleichlich. Und auch, wenn das Wasser seinen Weg über die Wasserleitungen findet, liefert es Grundlagen für Geschäftsideen. Wie etwa die Grander-Technologie, mit der das Wasser belebt wird. Oder die Wellwasser Technologie, mit der das Wasser gefiltert und ihm seine ursprüngliche Qualität zurückgegeben wird. „Unser Filtersystem filtert ausschließlich das heraus, was auf dem Weg von der Quelle zum Wasserhahn dazugekommen ist – wie beispielsweise Schwebepartikel, Chlorrückstände, Keime, etc. Der Körper muss dann nichts mehr selber abbauen und alle Mineralstoffe bleiben erhalten“, erklärt Dietmar Meraner, Gründer und Geschäftsführer der Wellwasser Technology GmbH, die Funktionsweise der Wasseraufbereitungsanlagen seines Unternehmens.

Ende November 2020 wurde das Wellwasser Konzept beim Energy Globe Award ausgezeichnet, dem weltweit bedeutenden Umweltpreis für herausragende nachhaltige Projekte. Meraner ist ein großer Fan des Tiroler Leitungswassers als teils noch viel zu wenig genutzte Ressource. Und in gewisser Weise ist er auch ein Botschafter, wenn er sagt: „Würde die Tiroler Gastronomie und Hotellerie nur Tiroler Wasser anbieten, dann wäre das eine riesen Chance und die Wertschöpfung würde im Land bleiben.“ Im Land Tirol eben, wo auch diese andere Wasserkraft mit Bravour genutzt wird – vom Bergsee bis zum Wasserhahn.

Schritt für Schritt: Interview mit Robert Schausberger

Interview

Der Reinheit der Ressource entsprechend setzen Rieder’s Quellbetriebe auf die sukzessive Optimierung in puncto Nachhaltigkeit. Geschäftsführer Robert Schausberger im Kurz-Interview.

Tiroler Wirtschaft: Sie sind nicht nur Geschäftsführer der Rieder’s Quellenbetriebe GmbH sondern auch für das Marketing zuständig. Was sind die USPs des Tiroler Wassers im Allgemeinen und der Mineralwässer „Ihres“ Unternehmens im Speziellen?

Robert Schausberger: Die Tiroler Bergwelt steht für Ursprünglichkeit, Nachhaltigkeit und Erholung pur. Das Tiroler Wasser im Allgemeinen steht für Klarheit, Natur pur und Mineralstoffreich. Am höchsten Gipfel in den Zillertaler Alpen im schönen Tirol entspringt unser natürliches ALPQUELL Alpenmineralwasser. Wir stehen für Reinheit, Qualität und Nachhaltigkeit. Der kilometerlange Weg durch Graniteis wird unser Alpenmineralwasser beim natürlichen Quellverlauf mit wertvollen Mineralien angereichert.

Was waren und sind die Knackpunkte für die grenzüberschreitende kommerzielle Nutzung der tollen Tiroler Wasserreserven?

Mineralwasser zu produzieren ist unsere Kernkompetenz. Unser Alpenmineralwasser wird hauptsächlich in Österreich und in den umliegenden Nachbarstaaten angeboten, um mit kurzen Transportwegen die beste Qualität anbieten zu können.

Hegen Sie Pläne, weitere Mineralwasser-Marken auf den Markt zu bringen?

Rieder’s Quellen-Betriebe GmbH ist stolz auf alle Marken, die produziert werden. Wir setzen auf langjährige Partnerschaften. Unsere Produktpalette wird stetig optimiert und an den aktuellen Markt nachhaltig angepasst.

Welche wichtigen Schritte stehen für die Rieder’s Quellenbetriebe GmbH in den kommenden Jahren an und in welche Richtung gehen/denken Sie dabei?

Nachhaltigkeit wird unsere Zukunft weiterhin prägen, daher setzen wir unsere Ressourcen schonend ein. Unser ALPQUELL ist bereits seit Anfang 2020 in 100 % recycelten Flasche erhältlich. Plastik ist nicht gleich Plastik. Durch das Recyceln von PET-Flaschen wird ermöglicht, das Material wiederzuverwenden und zeitgleich die Umwelt zu schonen. Schritt für Schritt arbeiten wir an einer Optimierung in puncto Nachhaltigkeit wie zum Beispiel auf eine erneuerbare Energieversorgung.

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