WK Tirol startet Wasserstoff-Projekt

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Projekt Wasserstoff Hyundai
Von der Vision zur Realität: Hersteller wie Hyundai haben bereits die ersten serienreifen Brennstoffzellen-LKW und Busse auf den Markt gebracht.
© Hyundai

Elektromobilität für die Kurzstrecke, Wasserstoff für die Langstrecke. Die WK Tirol startet ein Projekt zur Wasserstoff-Mobilität im alpinen Raum.

Schon lange steht Wasserstoff nicht mehr nur im Periodensystem an Nummer Eins. Zahlreiche Staaten legten in den letzten Monaten umfassende Strategien zur Umstellung ganzer Sektoren auf Wasserstoff vor und auch Bundeskanzler Kurz kündigte an, Österreich solle bis 2025 zur „Wasserstoffnation Nummer Eins“ werden. Wasserstoff gilt als Zukunftstechnologie – vor allem wenn der dafür benötigte Strom aus erneuerbarer Energie hergestellt wird. Nicht umsonst wurden in den letzten Monaten durch lokale Akteure wie die TIWAG, die Zillertalbahn sowie die Firmen Thöny und MPreis mehrere vielversprechende Projekte im Bereich der Wasserstoffmobilität ins Rollen gebracht. Als Kompetenzzentrum für den Einsatz von Wasserstoff hat sich das Green Energy Center mit Sitz in Innsbruck einen Namen über die Grenzen Tirols hinaus gemacht. Für den Wasserstoff-Pionier und Gründer des Kompetenzzentrums, Ernst Fleischhacker, liegt gerade in der Corona-Krise eine neue Chance, mit umweltfreundlichen Technologien die eigenen Ressourcen strategisch besser zu bewirtschaften und damit Öl, Kohle und Gas aus den Energieversorgungsprozessen zu verdrängen. „Sauberer Strom und grüner Wasserstoff sind die Schlüssel für den Umbau des Energiesystems“, betont Fleischhacker.

Ernst Fleischhacker
Ernst Fleischhacker, Green Energy Center

In dieselbe Kerbe schlägt auch Franz Hörl, Aufsichtsrats-Vorsitzender der Zillertalbahn: „Tirol kann mit seiner hohen Verfügbarkeit an Wasserkraft eine entscheidende Rolle bei der Nutzung des „grünen Wasserstoffs“ spielen. Deswegen setzt die Zillertalbahn auf diesen alternativen Antrieb“, erklärt. „Grüner Wasserstoff“ entsteht bei der Elektrolyse von Wasser mittels Strom aus erneuerbaren Energien wie beispielsweise Wasserkraft. Wasserstoff und Luftsauerstoff reagieren in der Brennstoffzelle von Wasserstoff-Fahrzeugen zu Wasser, dabei entstehen Wärme und elektrische Energie. Letztere treibt den Elektromotor des Fahrzeugs an. Als effizienter Energieträger, Speichermedium und Treibstoff hat der Wasserstoff damit ein enormes Potential für die Dekarbonisierung des Verkehrs und kann damit einen wesentlichen Beitrag für den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen liefern.

Wasserstoff: Erste Wahl für die Langstrecke

Verkehrs- und Mobilitätsexperten sind sich einig: Die Antriebstechnologien der Zukunft werden vielfältig sein. Während für bestimmte Einsatzgebiete weiterhin Verbrennungsmotoren zum Einsatz kommen, bewährt sich die Elektromobilität im urbanen Bereich bereits jetzt. Das betrifft auch den Bereich der Kurier-, Express- und Paket-Dienstleister (KEP) und die damit erzielbare Ökologisierung der so genannten „Last Mile“. Wegen ihrer eingeschränkten Reichweite und ihrer Anfälligkeit für Umweltfaktoren ist Elektromobilität aber wohl keine langfristige Lösung für den Langstreckenverkehr. Anders die Brennstoffzelle: Wasserstofftanks können pro Masseneinheit deutlich mehr Energie speichern als Akkus, wodurch die Reichweite von Wasserstofffahrzeugen im Bereich von Benzin und Diesel-Fahrzeugen liegt. Dies und ihre effektiven Einsatzmöglichkeiten bei hohem Fahrzeuggewicht, kalten Umgebungstemperaturen und einer gleichzeitig geringen Betankungszeit, macht die Brennstoffzelle auf Wasserstoffbasis zu einer attraktiven Option für den Güterverkehr der Zukunft.

Projekt „HydrAlpine“ eingereicht

„Damit nicht nur Wasser(stoff) gepredigt, sondern am Ende auch eine nachhaltige Mobilitätswende geschafft werden kann, braucht es zum einen eine verlässliche, kosteneffiziente Wasserstoffversorgung, zum anderen müssen robuste und ausgereifte Brennstoffzellenfahrzeuge zur Verfügung stehen“, ergänzt Ewald Perwög, Projektverantwortlicher für Sustainable Energy bei MPreis. Zusammen mit ihren Partnern ist es das Ziel der Wirtschaftskammer Tirol, diese beiden Schlüsselbereiche der Mobilitätswende in einem gemeinsamen Entwicklungs- und Demonstrationsprojekt für alpine Räume weiterzuentwickeln. Im Rahmen des Projektes „HydrAlpine“, das kürzlich bei der Forschungsförderungsgesellschaft FFG eingereicht wurde, werden mindestens drei verschiedene wasserstoffbetriebene Busse und nach Möglichkeit auch ein LKW auf alpinen Routen nach einem standardisierten Verfahren getestet, um weltweit erste Daten über Nutzung von Brennstoffzellenfahrzeugen in gebirgigen Regionen zu liefern und deren Entwicklung zu unterstützen.