Keine leeren Kilometer

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Nach zehn Millionen Paketen im vergangenen Jahr rechnet die Post heuer mit über 14 Millionen Paketen allein in Tirol.
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Die WK Tirol befasst sich im Rahmen des Projektes „Wirtschaft in Bewegung“ unter anderem mit der Optimierung der Paketzustellung. Das Ziel: Lieferungen effizienter und damit ökologischer zu gestalten.

Das Projekt „Wirtschaft in Bewegung“ der Wirtschaftskammer Tirol hat das Ziel, den hausgemachten Verteilerverkehr zu reduzieren, zu optimieren und umweltverträglicher zu machen. Dass das dringend notwendig ist, zeigt sich an der Paketflut der Vorweihnachtszeit. Nach zehn Millionen Paketen im vergangenen Jahr rechnet die Post heuer mit über 14 Millionen Paketen allein in Tirol. Dazu kommt, dass in der Corona-Krise auch abseits von Weihnachten viele Bestellungen online erfolgen. Jeder Klick setzt eine komplexe Logistikkette in Gang, die meist mit der Zustellung vor der Haustüre endet. Was für die Konsumenten einfach und bequem ist, heißt für Kurier-, Express- und Paket-Dienstleister (KEP) Sonderschichten, vollgefüllte Lieferwagen und das Klingeln an zahlreichen Haustüren – oftmals ohne dass ihnen jemand öffnet. Das bedeutet einen zweiten Zustellversuch am folgenden Tag und damit die Wiederholung der Fahrtstrecke.

Effiziente Paketzustellung

Gerade in den größeren Städten und engen Tälern Tirols führt der rasante Boom der KEP-Dienste zu Problemen. „Eine mögliche Lösung für eine schnelle, effiziente und nachhaltige Paketzustellung können betreiberunabhängige Boxensysteme, so genannte ,White Label Hubs‘, sein“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser. Das sind durch einen neutralen Betreiber eingerichtete Zentren oder Boxen, die als Abgabeknoten für mehrere Zustellunternehmen, aber auch für nicht zugestellte Pakete dienen. Bei diesen universellen Plattformen können alle KEP-Dienstleister von der Post über UPS bis hin zu lokalen Zustelldiensten ihre Pakete deponieren, ohne selbst in die engen Innenstädte und Ortskerne fahren zu müssen. Die Feinverteilung der Pakete zu den Wohnhäusern wird in Form von zusammenhängenden Lieferrouten und häufig auch mit elektrischen Zustellfahrzeugen oder Lastenrädern bewältigt. Das macht die berühmte „letzte Meile“ umweltverträglicher.

„Dass diese Methode funktioniert, zeigen Erfahrungen in anderen Bundesländern. In Wien und Niederösterreich wurden seit 2019 bereits 300 Paketboxen aufgestellt – Tendenz steigend“, berichtet der Sprecher der Tiroler Kleintransporteure Ulas Han.

Ulas Han

Der Erfolg dieses Systems hängt von drei Faktoren ab:

Erstens – offener Zugang: Alle Anliefernden müssen die Möglichkeit haben, in alle Boxen-Systeme zu liefern. Das erfordert das Ineinandergreifen bestehender Liefer-Apps sowie einheitliche (Zugangs-)Standards.

Zweitens – multifunktionale Anwendung: Eine universelle Nutzung von Hubs steigert die Attraktivität für die Verbraucher. So können Konsumenten die Standorte nicht nur verwenden, um ihre Pakete abzuholen und Rücksendungen aufzugeben, sondern die Boxen auch als Schließfächer, Stauraum, Fahrradboxen oder zur Erbringung von Serviceleis­tungen – wie die Rückgabe der Kleidung aus der Wäscherei – benutzen.

Drittens – lokal und vernetzt: „White Label Hubs“ vereinen die Anforderungen der Konsumenten und der Paketdienstleister. Es geht dabei vor allem um gute Erreichbarkeit und ausreichend dimensionierte Ladezonen.

WK Tirol sieht Potenzial

„Ich sehe in den betreiberunabhängigen, multifunktionalen und lokalen Systemen ein hohes Potenzial, um den ständig wachsenden KEP-Sektor im urbanen Raum besser und umweltfreundlicher abzuwickeln“, betont Han. Deswegen untersucht die WK Tirol aktuell die Auswirkungen des Leitprojekts eines „White Label Hubs“ in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs in Wörgl und fördert die Installation von Paketboxen in weiteren Regionen Tirols.

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