120 Jahre Brauerei Falkenstein in Lienz

Osttirols ältester Industriebetrieb punktet mit höchster Qualität, Innovation und Nachhaltigkeit. Die Gösser Brauerei Falkenstein ist eine der neun Brauereien der Brau Union Österreich AG.

Wer aus dem Pustertal kommend nach Lienz fährt, kann den markanten Gebäudekomplex in bester Gründerzeit-Architektur gleich nach der Ortstafel nicht übersehen: Hier wird seit 120 Jahren das bei den Einheimischen beliebteste, als „Falkenbräu“ bekannte Bier gebraut. Gegründet wurde das Unternehmen 1900 als „Erste Osttiroler Dampfbrauerei Falkenstein“ von Johann Baptist Steiner, der zuvor im böhmischen Troppau als Braumeister tätig war. Namensgeber der Brauerei ist die Felsformation Falkenstein oberhalb von Steiners Heimatgemeinde Matrei in Osttirol – heute ein Dorado der Sportkletterer.

Die Brauerei war jedenfalls eine der modernsten der gesamten K.u.K.-Monarchie und verfügte sogar über ein eigenes, von der nahen Drau-Wiere gespeistes E-Werk. Nach dem ersten Weltkrieg übernahm die steirische Gösser Brau AG den Betrieb. Heute ist die Gösser Brauerei Falkenstein eine der neun Brauereien der Brau Union Österreich AG, die ihrerseits seit 2003 zum weltweit zweitgrößten Braukonzern Heineken gehört. „Die Firmenphilosophie von Heineken setzt auf lokale Marken, Kontinuität und Eigenständigkeit der regionalen Brauereien“, betont Braumeister Harald Green, der seit 2014 für den Lienzer Standort verantwortlich ist.

Mit gerade mal einer Pferdestärke sorgten Bierkutscher der Brauerei Falkenstein seinerzeit für die Belieferung der Kunden. Heute sorgen an die 20 Bierauslieferer mit einem modernen Fuhrpark für die flächendeckende Versorgung der Region mit Bier und alkoholfreien Getränken. Mit gerade mal einer Pferdestärke sorgten Bierkutscher der Brauerei Falkenstein seinerzeit für die Belieferung der Kunden. Heute sorgen an die 20 Bierauslieferer mit einem modernen Fuhrpark für die flächendeckende Versorgung der Region mit Bier und alkoholfreien Getränken. Foto: Archiv Brauerei Falkenstein

65.000 Hektoliter Bier jährlich

Wohl einmalig in einem internationalen Braukonzern ist, dass Harald Green als Braumeister seinem Vater Heinrich nachgefolgt ist, der zuvor 45 Jahre lang in der Brauerei Falkenstein tätig war und diese in den letzten zwölf Jahren vor seiner Pensionierung leitete. Harald hat nach der AHS-Matura die Lehre als Brauer und Mälzer sozusagen im „väterlichen Betrieb“ absolviert und ließ sich nach der damals vorgeschriebenen Gesellenzeit an der renommierten Doemens-Fachakademie in München, wo er für seine Abschlussarbeit mit dem „Meisterpreis der Bayrischen Landesregierung“ ausgezeichnet wurde, zum Braumeister ausbilden. Anschließend war er als Laborleiter im Hofbräu Kaltenhausen, Hallein, und als Betriebsassistent im „Mutterwerk“ in Göss tätig, bevor er 2013 nach Lienz zurückkehrte. Seine Stellvertreterin Carina Schneider ist ebenfalls Braumeisterin. Sie ist vor allem für die Qualitätssicherung und die Produktionsplanung zuständig.

„Wir sind mit einer jährlichen Produktionsmenge von 65.000 Hektoliter Bier natürlich eine verhältnismäßig kleine Brauerei. Aktuell umfasst das Lienzer Team 37 Beschäftigte – ein Stand, den wir seit 20 Jahren halten. Wir sind bestrebt, die benötigten Fachkräfte selbst auszubilden – so haben heuer wieder zwei Lehrlinge ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen. Nächstes Jahr wollen wir wieder Lehrlinge aufnehmen“, so Harald Green. „Mit 45.000 Hektoliter ist  das für den Osttiroler und Oberkärntner Markt produzierte helle ,Gösser Märzen Falkensteiner’ unser Hauptprodukt. Im Wesentlichen wird es immer noch nach der Rezeptur, die schon der Gründer Johann Steiner verwendet hat, gebraut. Als Spezialitäten werden für den österreichweiten Vertrieb das „Gösser Zwickel dunkel“ und für Italien ein IPA-Starkbier bei uns produziert. Wir betreiben auch einen bestens sortierten Getränke-Großhandel; die Belieferung der Kunden erfolgt mit dem betriebseigenen Fuhrpark. Schließlich gehört zur Brauerei auch noch der Braugasthof, der an den engagierten Gastronomen und Biersommelier Artur Wieser verpachtet ist.“

Nachhaltigkeit ist entscheidendes Thema

Schon für den Brauereigründer war die hervorragende Wasserqualität entscheidend für die Standortwahl. Er ließ zwei Quellen am Schlossberg, der gleich hinter der Brauerei aufragt, fassen, die bis zum heutigen Tag das Wasser für die Biererzeugung liefern. Die weiteren benötigten Rohstoffe stammen zu 100 Prozent aus der österreichischen Landwirtschaft. „Unsere Biere erfüllen daher die strengen Prüfkriterien für das AMA-Gütesiegel, worauf wir sehr stolz sind“, so Green. „Überhaupt ist Nachhaltigkeit für uns in der Brau Union ein entscheidendes Thema.

Bierbrauen ist energieaufwändig – man benötigt Kälte und Wärme – weshalb wir ständig an der Senkung des Energieverbrauchs arbeiten. Heuer haben wir beispielsweise eine neue Gärkeller-Steuerung installiert – die Digitalisierung ist längst auch bei uns angekommen. Im Laufe der nächsten Jahre wollen wir – wie schon einige Brauereien im Konzern – CO2-neutral werden. Die Kreislaufwirtschaft funktioniert bereits ausgezeichnet. So stellen wir aus dem Biertreber ein ‚Pastus plus‘-zertifiziertes Futtermittel her; auch die Bierhefe-Rückstände gehen als Dünger wieder an die Landwirtschaft zurück“. Das in Lienz produzierte Bier kommt ausschließlich in Mehrweggebinden auf den Markt, womit die Nachhaltigkeitsstrategie der Brau Union auch in diesem Bereich bereits zur Gänze erfüllt ist.

Lockdown setzt Brauerei zu

Alkoholfreies Bier – das sich immer stärkerer Nachfrage erfreut – wird in Lienz zwar nicht gebraut; an der Entwicklung der mittlerweile österreichweit beliebtesten Sorte „Gösser Naturgold“ war man aber in der Brauerei Falkenstein, wo 2013 die ersten Brauversuche erfolgreich verliefen, maßgeblich beteiligt. Auch das helle, naturtrübe Zwickel-Bier wurde in Lienz entwickelt.

Das geplante Jubiläumsfest fiel, wie alle anderen Dorf- und Vereinsfeste auch, der Corona-Pandemie zum Opfer. Dies und der Lockdown der Gastronomie im Frühjahr setzten der Brauerei natürlich stark zu. „Dass wir im heimischen Lebensmittelhandel bestens vertreten sind, hat uns enorm geholfen, die schwierigen Zeiten gut zu überstehen. Wir hoffen nun doch auf eine halbwegs normale Wintersaison und eine Erholung der Gastronomie im nächsten Jahr“, gibt sich der Braumeister zuversichtlich.

Braumeister Harald Green sorgt dafür, dass das Bier aus der Brauerei Falkenstein immer gleich gut schmeckt. Trotz neuester Brauanlagen und digitaler Prozesssteuerung sind immer noch Erfahrung und das handwerkliche Können für die Qualität entscheidend. Foto: Martin Lugger Braumeister Harald Green sorgt dafür, dass das Bier aus der Brauerei Falkenstein immer gleich gut schmeckt. Trotz neuester Brauanlagen und digitaler Prozesssteuerung sind immer noch Erfahrung und das handwerkliche Können für die Qualität entscheidend. Foto: Martin Lugger

»Weitere Informationen: Brau Union Österreich

 

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