Qualitätsbettenoffensive Osttirol bringt Wachstumsschub

© Familienhotel Scherer

Anfang November präsentierte Landeshauptmann Günther Platter eine Qualitätsbettenoffensive für Osttirol. „Damit will das Land Tirol den Osttiroler Tourismus nachhaltig stärken“, führt der Landeschef bei einer Pressekonferenz in Innsbruck aus. Sowohl die Tourismuswirtschaft als auch das Bauhaupt- und das Baunebengewerbe können durch dieses Programm nachhaltig gestärkt werden.

Osttirol wurde mit Beginn der EU-Strukturförderperiode im Jahr 2014 als EU-Regionalfördergebiet und als nationales Sonderfördergebiet ausgewiesen. Diese Sachentscheidung, auf Basis der Strukturdaten in der Region (Arbeitslosigkeit, Bruttoregionalprodukt, Abwanderung, usw.), hat sowohl auf der EU als auch auf der nationalen Ebene zusätzliche Unterstützungen bei Investitionsprojekten im Tourismus eröffnet. Mutige Unternehmensentscheidungen verknüpft mit Fördermittel aus den Strukturförderprogrammen haben zur Schaffung von neuen Qualitätsbetten geführt.

Im Zeitraum 2014 bis 2018 konnten 580 neue Betten in der Vier- und Fünf Sterne-Kategorie geschaffen werden. Mit dem neuen Bettenangebot ist es gelungen, die touristische Wertschöpfung massiv zu steigern. Eine Studie des Managementcenter Innsbruck belegt, dass Osttirol in der Entwicklung des Beherbergungsumsatzes (4 und 5 Sterne-Kategorie) pro Nacht in ganz Tirol einen Spitzenplatz einnimmt. Diese erfreuliche Entwicklung wurde, mit dem generellen Förderstopp für ganz Tirol bei der Errichtung von Qualitätsbetten im Juni 2018, ein vorzeitiges Aus beschert, obwohl die Strukturförderperiode bis Ende 2020 läuft. Seit diesem Zeitpunkt wurden, mangels Fördermöglichkeit, keinen nennenswerte Zahl an neuen Qualitätsbetten errichtet.

Mit der „Qualitätsbettenoffensive Osttirol“ hat die Tiroler Landesregierung ein vorausschauendes Signal für die Tourismusentwicklung in der Region gesetzt. Betriebe erhalten damit eine faire Chance notwendige Investitionen in den Bereichen Betriebsgrößenoptimierung und Qualitätsverbesserung zu tätigen.
Bezirksobfrau Michaela Hysek-Unterweger

Notwendigkeit von Qualitätsbettenoffensive

Um die Notwendigkeit eines Förderprogramms für die Errichtung von Qualitätsbetten in Osttirol zu untermauern, wurde vom TVB-Osttirol, der Osttirol Investment GmbH und der Wirtschaftskammer Tirol eine Studie in Auftrag gegeben. Die Studienautoren stellen zusammenfassend fest: „Für einen im Tourismusbereich strukturschwachen Bezirk wie Lienz wird die Stärkung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeiten und damit nachhaltiges Wachstum von Arbeitsplätzen und Einkommen, vor allem in den Tälern, empfohlen.“ Die Zukunftsfähigkeit von Gesellschaft und Wirtschaft im alpinen ländlichem Raum hängt stark mit der Entwicklung im Tourismus zusammen.

Die in Auftrag gegebene Studie hat die fachliche Basis für die neue Bettenförderung geliefert und die Notwendigkeit, in Osttirol neue Qualitätsbetten zu schaffen, bestätigt. Osttirol verfügt derzeit über 3000 Vier- und Fünf Sterne-Betten. Im Bezirk Landeck werden 18.000 Qualitätsbetten angeboten. Daraus ist ein klarer Nachholbedarf abzuleiten. Landeshauptmann Günther Platter hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit dem Osttiroler Anliegen beschäftigt und unterstützt von den Fachabteilungen des Landes, einen inhaltlich fundierten Lösungssatz für die Qualitätsbettenoffensive in Osttirol gefunden.

Wir empfehlen Projektwerbern aufgrund der kurzen Laufzeit von einzelnen Förderprogrammen eine rechtzeitige Abstimmung mit der Hausbank und mit dem Steuerberater. Die Förderexperten der Wirtschaftskammer stehen gerne für ein Informationsgespräch zur Verfügung.
Bezirksstellenleiter Reinhard Lobenwein

Mit einen nicht rückzahlbaren Einmalzuschuss von 12,5 % von Land Tirol können Ausschlussförderungen der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank abgerufen werden. Zusätzlich kann aktuell noch die Investitionsprämie des Bundes (mindestens 7 %) beantragt werden. Mit dem Förderschwerpunkt „Qualitätsbettenoffensive Osttirol“ im Rahmen der Tiroler Tourismusförderung wird eine Lücke bei Projekten mit einer Investitionssumme von über einer Million Euro geschlossen. Projekte in der Größenordnung zwischen € 5.000 und einer Million Euro sind über die „Wachstumsoffensive für Kleinstbetriebe“ oder über „Investitionsförderung – Qualitätsverbesserung Hotellerie und Gastronomie“ förderbar.

Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Osttirol. Die Schönheit unserer Natur- und Kulturlandschaft machen die Region zu einem attraktiven Urlaubsland. Mit dem vorbestellen Strukturförderprogramm können auch für Familienbetriebe Einkommens- und Beschäftigungsperspektiven gewährleistet werden.

Programm 1: Wachstumsoffensive für Kleinstbetriebe in Tirol

Zielsetzung: Förderwürdig sind Investitionsvorhaben, die eine Verbesserung der Betriebsstruktur     und/oder eine Verbesserung des Angebotes zum Ziel haben.

Gegenstand der Förderung: Investitionen im Tourismus- und Freizeitwirtschaft zur Saisonverlängerung, Gewinnung neuer Zielgruppen sowie Qualitätsverbesserung.

Förderungsnehmer: Können nur Kleinstunternehmen der gewerblichen Wirtschaft sein.

Art und Ausmaß der Förderung: Die Förderung wird als nicht rückzahlbarer Einmalzuschuss gewährt und beträgt maximal 10 % der förderbaren Kosten. Die Summe der förderbaren Kosten muss mindestens 5.000 Euro betragen die Förderbemessungsgrundlage ist mit 100.000 Euro begrenzt.

Geltungsdauer: Die Richtlinie tritt mit 01.09.2020 in Kraft und gilt bis 30.06.2021. Die Anträge müssen vor Beginn der Maßnahme (Bestellung, Anzahlung, Zahlung, Baubeginn) bis spätestens 31.12.2020 gestellt werden.

 

Programm 2: Tiroler Tourismusförderung: Investitionsförderung – Qualitätsverbesserung Hotellerie und Gastronomie

Zielsetzung: Durchführung von qualitätsverbessernden Maßnahmen im Bereich Hotellerie und Gastronomie.

Gegenstand der Förderung: Verbesserung und Schaffung von betrieblichen Infrastruktureinrichtungen, Barrierefreiheit, wesentliche Qualitätsverbesserung, neue Märkte neue Zielgruppen, Betriebsübernahme innerhalb der Familie, Ganzjahrestourismus. Nach Fertigstellung muss mindestens 3 Sterne Kategorie erreicht werden.

Es gibt zusätzliche Schwerpunkte mit eigenen Fördermöglichkeiten: Tiroler Wirtshäuser, Wirtshäuserprämie Übernahme, Touristische Infrastruktureinrichtungen (Projekte von Seilbahnunternehmen sind nicht förderbar), Mitarbeiterunterkünfte/Einrichtungen für Mitarbeiter

Förderungsnehmer: Können nur Klein-Unternehmer der gewerblichen Wirtschaft sein.

Art und Ausmaß der Förderung: Die Investitionsförderung wird als nicht rückzahlbarer Einmalzuschuss gewährt und beträgt maximal 5 % Basisförderung, 2,5 % Regionalförderung, 5 %  Konjunktur-Bonus = 12,5 %
Die Mindestförderbemessungsgrundlage beträgt 100.000 Euro die maximale Bemessungsgrundlage 700.000 Euro. Projekte mit einer Gesamtinvestitionshöhe von mehr als  1 Mio. Euro können in dieser Förderaktion nicht gefördert werden.

Geltungsdauer: Die Richtlinie trat mit 26.06.2018 in Kraft und gilt bis 30.06.2022. Die Anträge müssen vor Beginn der Maßnahmen (Bestellung, Anzahlung, Zahlung Baubeginn) bis spätestens 31.12.2021 gestellt werden.

 

Programm 3: Tiroler Tourismusförderung: Qualitätsbettenoffensive Osttirol

Zielsetzung: Die Schaffung von neuen/zusätzlichen Qualitätsbetten und wesentliche Qualitätsverbesserung im Gesamtbetrieb.

Gegenstand der Förderung: Die Errichtung von neuen/zusätzlichen Qualitätsbetten. Nach Fertigstellung muss mindestens die 3 Sterne-Superior-Kategorie erreicht werden.

Förderungsnehmer: Zusätzlich zu den Klein-Unternehmen können auch Mittlere Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft gefördert werden.

Art und Ausmaß der Förderung: Die Investitionsförderung wird als nicht rückzahlbarer Einmalzuschuss gewährt und beträgt maximal 5 % Basisförderung, 2,5 % Regionalförderung, 5 %  Konjunktur-Bonus = 12,5 %
Die Mindestförderbemessungsgrundlage beträgt  1. Mio. Euro die maximale Bemessungsgrundlage 20. Mio Euro.

Geltungsdauer: Die Richtlinie tritt mit 01.12.2020 in Kraft und gilt bis 30.06.2022. Der Konjunkturbonus von 5 % gilt jedoch nur bis 31.12.2021. Die Anträge müssen vor Beginn der Maßnahme (Bestellung, Anzahlung, Zahlung, Baubeginn) bis spätestens 31.12.2021 gestellt werden.

 

zusätzlich zu allen drei Programmen: AWS-Investitionsprämie

Zielsetzung: Die AWS Investitionsprämie soll Unternehmen einen Anreiz für unternehmerische Investitionen geben. Zusätzlich gibt es Schwerpunkte mit höheren Förderungen in den Bereichen Ökologisierung, Digitalisierung und Gesundheit.

Gegenstand der Förderung: Förderfähig sind Neuinvestitionen in das abnutzbare Anlagevermögen (materielle und immaterielle Investitionen). (Es gibt auch nicht förderbare Investitionen)

Förderungsnehmer: Förderfähig sind Unternehmer, unabhängig von der Größe und Branche die einen Sitz oder eine Betriebsstätte in Österreich haben.

Art und Ausmaß der Förderung: Die Förderhöhe beträgt generell 7 % der förderfähigen Investitionen und 14 % bei Förderungen im Bereich Ökologisierung, Digitalisierung und Gesundheit. Die Investitionsprämie ist ein steuerfreier, nicht rückzahlbarer Zuschuss zu Investitionen ins Anlagevermögen. Als Untergrenze wird ein Betrag von 5.000 Euro ohne USt. gesehen die Obergrenze beträgt 50. Mio. Euro ohne USt. (pro Konzernverbund).

Geltungsdauer: Förderfähig sind Investitionen die zwischen den 10.09.2020 und den 28.02.2021 bei der AWS beantragt werden. Mit den Investitionen darf nicht vor dem 01.08.2020 begonnen worden sein, wobei als Beginn der Leistung, Anzahlung, Zahlung, Rechnungen, Abschluss eines Kaufvertrages oder Baubeginn der förderfähigen Investitionen gesehen wird. Es können sowohl beim Land Tirol als auch bei der AWS Förderanträge gestellt werden. Die von der EU Kommission festgelegten Höchstgrenzen dürfen nicht überschritten werden. Die Höchstfördersätze zwischen den nationalen Förderstellen werden entsprechend abgestimmt.

 

Zusätzlich zu den beschriebenen Förderprogrammen können noch die Angebote der betrieblichen Tourismusförderung (Zuschüsse, Zinszuschüsse, Kredite und die Übernahme von Haftungen) bei der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank angesprochen werden. Touristische Vorhaben, an deren Umsetzung ein öffentliches Interesse besteht (Leuchtrumprojekte) die einen Beitrag zum wirtschaftlichen Fortschritt und zur Schaffung von Arbeitsplätzen leisten, können neben Bundesmittel auch Mittel der EU eingesetzt werden.

Bei konkreten Investitionsprojekten wird rechtzeitig eine umfassende Beratung durch die Hausbank und die Abstimmung mit dem Steuerberater empfohlen. Förderexperten der Wirtschaftskammer Tirol Bezirksstelle Lienz, stehen gerne für ein Informationsgespräch zur Verfügung.

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