Brigitte Huditz schneidert auf den Leib
Funktionärin

Huditz schneidert auf den Leib

Brigitte Huditz schneidert auf den Leib
© WK Tirol

Im Modellsalon von Brigitte Huditz entstehen Neuanfertigungen, die Frauenherzen höherschlagen lassen. Die Schneidermeisterin plaudert aus dem Nähkästchen.

Dass sie einmal Schneiderin werden möchte, war Brigitte Huditz immer schon klar. „Damals gab es noch die 1-jährige Ferrarischule in Innsbruck, die ich besucht habe. Meine Nählehrerin wollte mich überreden, in den 4-jährigen Zweig umzusteigen, weil ich so geschickt war. Aber das kam für mich nicht in Frage“, blickt die Innungsmeisterin der Mode und Bekleidungstechnik auf die Anfänge ihrer Berufslaufbahn zurück. Und so suchte sie sich eine Lehrstelle. Das war ein bisschen untypisch zu dieser Zeit, denn meistens suchten die Eltern eine Lehrstelle für ihre Kinder. Aber Brigitte Huditz stand immer schon gerne auf eigenen Beinen.

Im Salon von Beatriz Schlosser in Innsbruck lernte sie das Schneider-Handwerk von der Pike auf. Maß nehmen, Stoffe zuschneiden, das Abstecken, Heften und Säumen – diese Handgriffe und noch viele mehr sind Huditz seit damals in Fleisch und Blut übergegangen. Und genau diesen Salon, in dem sie ihre Ausbildung gemacht hat, hat sie später übernommen. „Das war eine einmalige Chance, die musste ich nutzen. Ich hatte immer zwischen fünf und zehn Mitarbeiterinnen und habe über die Jahre insgesamt 28 Lehrlinge ausgebildet. Viele von ihnen haben sich später auch selbstständig gemacht“, betont Huditz. Da sie selbst eine Lehre gemacht hat, weiß sie um die Vorzüge dieser Ausbildungsform bestens Bescheid: „Es ist eine sehr gute Ausbildung. Ganz wichtig ist, dass der Lehrling eine dreifache Unterstützung erhält: Von den Eltern, vom Lehrbetrieb und von der Schule.“

Maßangefertige Kleider wie dieses entstehen im Modellsalon von Brigitte Huditz in Aldrans.
© WK Tirol

Huditz bietet eine vielfältige Produktpalette

1995 verlegte Huditz den Unternehmensstandort von Innsbruck nach Aldrans. „Mein Sohn kam zur Welt und ich bin mit drei Mitarbeiterinnen übersiedelt. So ließen sich Familie und Beruf für mich besser vereinbaren“, sagt Huditz. Die Kundinnen der Schneidermeisterin sind zwischen 16 und 100 Jahre alt und die Produktpalette ist ebenso vielfältig. Vom Debütanten-, Maturaball- oder Brautkleid über klassische Tages- und Businessmode bis hin zur perfekten Garderobe für die goldene Hochzeit entstehen ausschließlich Damen-Neuanfertigungen in der Werkstatt von Huditz. Im kommenden September wird sie ihren 29. Lehrling aufnehmen. „Das wird der letzte vor meiner Pensionierung sein“, verrät die Unternehmerin.

Kurz nach dem Lockdown im Frühjahr 2020 zog Huditz einen ganz besonderen Auftrag an Land: Das Land Tirol brauchte dringend 100.000 Mund-Nasen-Schutzmasken. Die Schneidermeisterin konnte nicht nur innerhalb kürzester Zeit den benötigten Stoff besorgen, sondern nutzte auch ihre Kontakte als Innungsmeisterin. So wurde bald darauf in den Schneider-Werkstätten in ganz Tirol eifrig genäht. „Ganze 6.000 Laufmeter Baumwoll-Stoff haben wir verarbeitet. An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal bei den Verantwortlichen in der Tiroler Wirtschaftskammer für die Unterstützung im Hintergrund bedanken. Sie haben uns die Räumlichkeiten zum Zuschneiden des Stoffes zur Verfügung gestellt“, unterstreicht Huditz. Insgesamt 120 Tiroler Betriebe waren an diesem einzigartigen Projekt beteiligt, von der Herstellung der Schutzmasken bis hin zum Versand.

Als WK-Funktionärin hat die Unternehmerin einige Meilensteine miterlebt und mitgeprägt: „Bei der Gründung von Frau in der Wirtschaft war ich dabei, später auch im Ausschuss. Und als ich Landesinnungsmeisterin geworden bin, waren Patrizia Zoller-Frischauf und ich die einzigen weiblichen Innungsmeisterinnen im Gewerbe und Handwerk“, erinnert sich Huditz. Manche Dinge sind eben auf den Leib geschneidert, wie im Fall von Brigitte Huditz das Unternehmerinsein.

Brigitte Huditz
Brigitte Huditz
Funktionärssteckbrief Brigitte Huditz

Was hat Sie dazu motiviert, Funktionärin zu werden?

Das Funktionärsein habe ich immer als Chance gesehen, aktiv für meine Berufsgruppe mitzuarbeiten und mitzugestalten. Genau deshalb bin ich Funktionärin geworden.

Worauf sind Sie in Ihrer Funktionärstätigkeit stolz?

Wir haben die Meisterprüfung in Tirol für Damen- und Herrenkleidermacher wiedereingeführt, die hat es zwischendurch zehn Jahre lang nicht mehr gegeben. Das war mir sehr wichtig. Und für die modulare Lehre Bekleidungsgestaltung habe ich für ganz Österreich die modularen Prüfungen zusammengestellt. Darauf bin ich sehr stolz.

Welche Ziele verfolgen Sie als Funktionärin?

Mein großes Ziel ist es, den Lehrberuf Bekleidungsgestaltung aufrecht zu erhalten. Außerdem möchte ich den Ausschuss erfolgreich weiterführen und ich freue mich auf eine gute Vernetzung innerhalb der Branchenverbünde.