Bichlbäck in Niederndorf: Zwei Betriebe, eine Backstube

Co-Working kann für alle Beteiligten durchaus befruchtend sein. So auch beim Bichlbäck in Niederndorf. Damit die Backstube untertags nicht leersteht, lässt Bäckerin Birgit Pristauz den jungen Lebzelter Florian Kitzbichler dort arbeiten.

Den Bichlbäck in Niederndorf gibt es seit Jahren. Ein großes Haus, direkt im Ortszentrum. Gebacken wird üblicherweise in der Nacht bis um neun Uhr morgens. Tagsüber steht die Backstube leer. Für die Bäckerin Birgit Pristauz müssen jedoch Gegenstände Sinn machen und genützt werden. Deshalb hat sie sich dazu entschlossen, ihre Bäckerei mit einem Lebzelter zu teilen.

„Wir haben das Haus vor drei Jahren umgebaut, aber wir haben mehr Kapazitäten, als wir selbst brauchen“, gesteht Pristauz. Auch ihr Büro, in dem früher einmal ein Internet-Cafe untergebracht war, ist zu groß für sie allein. Die WK-Bezirksstelle Kufstein hat ihr geraten, Kontakt mit dem „Basislager“ in Kufstein aufzunehmen. Dort holte sich Pristauz grundlegende Informationen darüber, wie es funktionieren kann, dass mehrere Unternehmer ein Büro nützen.

Für die Backstube hat Pristauz den jungen Lebzelter Florian Kitzbichler gewonnen. Für ihn ist diese Lösung ideal, denn er kann die Infrastruktur der Bäckerei nützen und hat nur ein eigenes Gerät dazu stellen müssen. „Natürlich muss man über seinen Schatten springen, aber Florian ist ein Fachmann und er kann mit den Maschinen umgehen“, erklärt Pristauz. Auch von der Materie her passen die beiden Unternehmen zusammen.

Bichlbäck ermöglicht flexibles Arbeiten

Ungewöhnlich war es für die Behörde, denn als Lebensmittelproduzent sich in einem bestehenden Unternehmen einzumieten, kommt nicht so oft vor. Für Kitzbichler, der als letzter Lebzelter die Lehre abgeschlossen hat, bevor diese Berufsausbildung aufgehoben wurde, war es die einmalige Chance, sich selbständig zu machen. „Daheim habe ich keine Möglichkeit zu arbeiten und eine eigene Backstube hätte ich mir nicht leisten können“, freut er sich. Er kann beim Bichlbäck extrem flexibel arbeiten und die üblichen Wartungsarbeiten der Maschinen sind im Mietpreis – abgerechnet wird minutengenau oder tageweise -  eingerechnet. Die Vermarktung macht jeder für sich, doch besteht der Gedanke, auch dabei Gemeinsamkeiten zu nützen. Zudem träumt die Bäckerin davon, in regelmäßigen Abständen öffentliche Kurse in der Backstube zu veranstalten.

Das Co-Working – also das Arbeiten von mehreren Unternehmern in einer Betriebsstätte - kann und soll durchaus befruchtend sein, für alle Beteiligten. „Es ist nicht einfach nur das Vermieten und Mieten. Man kann sich auch gegenseitig austauschen und vielleicht sogar gemeinsame Projekte entwickeln“, ist Pristauz überzeugt. Fünf Büro-Arbeitsplätze stehen in der Bäckerei zur Verfügung. Diese kann man stunden- oder tageweise mieten. Für Klein- oder Einzelunternehmer ist das ein ideales Angebot, um nicht ständig allein im Homeoffice arbeiten zu müssen. Zudem duftet es im Büro wunderbar nach frischem Brot oder Lebkuchen.

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