Wagner‘sche ist Cirque du Soleil des Buchhandels

Seit 1639 gehen in der Innsbrucker Traditionsbuchhandlung Wagner‘sche Bücher über den Ladentisch. Neu ist das Konzept, mit dem Inhaber und Geschäftsführer Markus Renk seine Kunden überzeugen will: Er möchte den Buchhandel emotional aufladen.

Vor fünf Jahren brauchte Markus Renk eine gehörige Portion Mut. Der gelernte Buchhändler stand vor der Entscheidung seines Lebens: Er wollte die älteste Buchhandlung Tirols, die Wagner’sche in Innsbruck, kaufen. „Damals war die Gefahr groß, dass die Buchhandlung geschlossen wird. Ich habe mir gedacht, die Wagner’sche hat seit ihrer Gründung schon so viel hinter sich: den 30-jährigen Krieg, die Pest, zwei Weltkriege, das kann doch nicht das Ende sein“, erinnert sich Renk zurück. Gemeinsam mit dem Verleger Markus Hatzer hat er den Schritt gewagt und seine Entscheidung seither noch keinen Tag bereut. „Ja, es war rückblickend sehr gewagt, aber es hat funktioniert.“

Ein Grund dafür ist wohl das neue Konzept der Wagner’schen: „Wir sehen uns als Cirque du Soleil des Buchhandels. Der Gründer des berühmten Cirque du Soleil hat den Zirkus neu erfunden. Er hat ganz stark auf Emotionen gesetzt. Genau das möchten wir im Buchhandel auch schaffen, wir möchten ihn emotional aufladen“, zeichnet der Geschäftsführer ein Bild seiner Idee. Wie kann das gelingen? Durch die verschiedenen Services, die in der Wagner’schen angeboten werden.

Buchgenuss nach Ladenschluss

Eines davon ist der „Buchgenuss nach Ladenschluss“. Einmal außerhalb der Öffnungszeiten in einer Buchhandlung nach Herzenslust ungestört schmökern – diesen Wunsch hegt wohl jeder Bücherliebhaber. Die Wagner’sche kann man für so einen Abend buchen und diese Möglichkeit wird von den Kunden sehr oft und gerne angenommen. Auch einen Buchhändler kann man buchen und sich eine Stunde lang persönlich beraten lassen.

Ein Fixpunkt im Angebot der Innsbrucker Buchhandlung sind die so genannten „Blind Dates“: Ein Buch wird in Packpapier eingepackt, sodass man als Kunde nicht sieht, welches Buch man kauft. Es stehen lediglich ein paar Stichwörter zum Inhalt des Buches drauf. Für den Käufer also eine echte Überraschung, Kunde und Buch werden quasi miteinander verkuppelt. Dem Inhaber-Duo gehen die Einfälle nicht aus, ganz im Gegenteil. „Wir haben noch sehr viele Ideen in der Schublade“, schmunzelt Markus Renk.

Kurz vor Weihnachten erschien das erste Innsbruck-Wimmelbuch, für das Renk und Hatzer einen eigenen Verlag gegründet haben. Mit detailgetreuen Zeichnungen der Innsbrucker Sehenswürdigkeiten wurde es zum absoluten Kassenschlager. Inzwischen ist es in der vierten Auflage erhältlich und im Herbst folgt das kleine Innsbruck-Wimmelbuch. Und auch über die Grenzen Tirols hinaus reichen die Pläne: Anfang des Jahres wurde die erste „Filiale“ der Wagner’schen in Salzburg eröffnet. Renk und Hatzer haben „Bücher Stierle“ übernommen. Im Juli folgt die Übernahme der „Kelten-Buchhandlung“ in Hallein.

Wagner'sche ist Buchhandlung des Jahres

Eine Auszeichnung erhielt die Wagner‘sche ausgerechnet in einer Zeit, die wir alle nicht so schnell vergessen werden: Anfang Mai, als das Corona-Virus das Tagesgeschehen prägte, wurde die Wagner’sche von einer unabhängigen Jury zur Buchhandlung des Jahres 2020 ausgezeichnet. „Die Wagner’sche ist mehr als eine Buchhandlung“, lautet der erste Satz in der Jury-Begründung. „Das hat uns natürlich extrem gefreut. Das richtige Buch zum richtigen Zeitpunkt beraten, das ist das schönste für uns Buchhändler. Wir sind dann eine Startrampe auf einer Reise in fremde Welten“, skizziert Renk.

Ab Herbst werden dann auch wieder Veranstaltungen, wie Lesungen, in der Wagner’schen stattfinden. „Bücher braucht es einfach und wird es auch in Zukunft immer brauchen. Ein Buch kann so viel leisten: Es kann Wegbegleiter und Freund sein, auch ein Tröster“, beschreibt Renk. Bücher und Emotionen passen einfach wahnsinnig gut zusammen.

Wagernsche Zum 380. Geburtstag der Wagner’schen überreichte WK-Gremialgeschäftsführerin Verena Weiler dem Inhaber und Geschäftsführer Markus Renk eine Ehrenurkunde. Foto: WKT

» Mehr Informationen: Wagner'sche Buchhandlung

 

Was hat Sie dazu motiviert, Funktionär zu werden?

Mein Vorgänger hat mich sozusagen in diese Position gehievt. Ich war nicht aktiv in der Fachgruppe tätig, aber in einer Projektgruppe anlässlich des Welttags des Buches. Auf meine kritischen Anmerkungen meinte er dann nur: "Wenn du so g'scheid redest, dann machst es einfach selber."

Worauf sind Sie in Ihrer Funktionärstätigkeit stolz?

Österreichweit gibt es da zwei herausragende Projekte: zum einen den fixen Ladenpreis für Bücher. Das war bei der EU nicht leicht durchzubringen. Und zum anderen die Schulbuchaktion, die sehr wichtig für unsere Branche ist. Besonders stolz bin ich außerdem auf den Tiroler Vorlesetag, der seit 2015 in allen Tiroler Gemeinden stattfindet.

Welche Ziele verfolgen Sie als Funktionär?

Mir ist es ein besonderes Anliegen, das Thema Buch in die Köpfe der Leute zu bringen. Der Kampf für das Buch ist ein positiver Kampf, denn das Lesen kann die Gesellschaft positiv beeinflussen.

»Alle Portraits auf der Website unserer Funktionäre!

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