Beratungsscheck: Machen Sie Ihr Unternehmen zukunftsfit!

Die Notariatskammer bietet in Kooperation mit der Wirtschaftskammer einen Beratungsscheck für die Unternehmensvorsorge. Rechtzeitige Vorkehrungen können die Existenz von Betrieben sichern.

Sie kennen das: Das Tagesgeschäft fordert die volle Aufmerksamkeit. Gleich in der Früh läutet das Telefon – und schon gilt es, kurzfristig zu reagieren. Auch der Rest des Tages folgt nicht der ursprünglichen Regie – aber Unternehmer sind es gewohnt, mit Herausforderungen umzugehen, schließlich lautet ja eines der aktuell häufigsten Schlagworte „agil“. Am Abend ist man froh, den Tag zumindest halbwegs plangemäß erledigt zu haben. Für Gedanken wie „Vorsorge“ ist wenig Platz. Nicht an diesem Tag – und an den nächsten auch nicht. „Wird schon nichts passieren“, hofft man.

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Was, wenn aber doch einmal etwas passiert?

Beispiel 1: Was tun, wenn der Geschäftsführer einer GmbH verunglückt und es keinen weiteren Zeichnungsberechtigten gibt? Das wird für die Auszahlung der Löhne, den Zahlungsverkehr mit den Lieferanten und viele weitere für die Firma existenzielle Entscheidungen zum Problem. Bis sich tragfähige Lösungen nachträglich finden lassen, vergeht viel Zeit, in der das Unternehmen „in der Luft hängt“.

Beispiel 2: Wie soll ein Familienbetrieb ordnungsgemäß weitergeführt werden, wenn es keine erbrechtliche Regelung gibt? Hier sind Streitigkeiten und gegenseitige Blockaden vorprogrammiert, die ebenfalls den Bestand eines Unternehmens gefährden können.

Beispiel 3: Wie kann der gewohnte Lebensstandard auch in der Pension aufrechterhalten werden? Wer private Vorsorgemaßnahmen frühzeitig trifft, kann sich mit überschaubaren Kosten eine zweite Säule aufbauen. Wer dies völlig ausblendet, erlebt unter Umständen eine unangenehme Überraschung.

In diesen Fällen wäre es gut, wenn Unternehmer rechtzeitig ein paar Stunden investiert hätten, um derartige Situationen im Vorfeld zu regeln. Tatsache ist: Ein auch nur vorübergehender oder gar dauernder Ausfall eines Unternehmers – etwa durch Krankheit oder Unfall – erfordert verschiedenste betriebliche und persönliche Vorsorgemaßnahmen. Aber wo anfangen? Worauf gilt es, besonders zu achten? Welche Vorsorgemaßnahmen sind im Unternehmen zu treffen, um für Krisenfälle gewappnet zu sein?

Genau für diese Fragen hat die WK Tirol mit der Notariatskammer eine Kooperation abgeschlossen: Die Themenbereiche reichen von Vertretungsregelungen im Unternehmen (Vollmachten, Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten) über die erbrechtliche Vorsorge (Testamente für Unternehmer, pflichtteilsrechtliche Regelungen im Zusammenhang mit Unternehmen) bis hin zu unternehmensbezogenen Verträgen (gesellschaftsrechtliche Vereinbarungen, vertragliche Festlegungen bei Unternehmensgründungen, An- und Verkäufe von Liegenschaften und Betrieben, Nachfolgeregelungen).

Im Zentrum der Kooperationsvereinbarung steht der Beratungsscheck: Die Notariatskammer bietet eine kostenlose Beratung für Tiroler Unternehmerinnen und Unternehmer zum Thema Unternehmensvorsorge durch einen Tiroler Notar in der Dauer von einer Stunde. Das schafft einen ersten Überblick und bringt Klarheit, wo Handlungsbedarf besteht. Nutzen Sie dieses Angebot und machen Sie Ihre Firma zukunftsfit. Es ist allemal besser, rechtzeitig vorzusorgen als im Ernstfall das Nachsehen zu haben.

 

Fordern Sie am besten gleich Ihren Beratungsscheck an!
E unternehmerservice@wktirol.at
T 05 90 90 5-2222

INTERVIEW

Im Gespräch erläutern Philipp Schwarz, Präsident der Notariatskammer für Tirol und Vorarlberg, und WK-Präsident Christoph Walser die Hintergründe der Kooperation im Zusammenhang mit dem Beratungsscheck.

wirtschaft.tirol: Was war der Antrieb für diese Kooperationsvereinbarung?

Philipp Schwarz: Wir Notare stellen in der Praxis fest, dass nicht nur bei Kleinbetrieben, sondern oft auch bei mittleren und größeren Unternehmen im Bereich der Vorsorge Defizite vorhanden sind. Dies gilt beispielsweise für das Erbrecht. Nur ein Drittel aller Österreicher hinterlässt ein Testament – das ist auch bei Unternehmern nicht anders. Wenn aber die Nachfolge nicht geregelt ist, kann das schwerwiegende Folgen für Betriebe haben. Wir haben diese Initiative gemeinsam mit der Wirtschaftskammer gestartet, um Schwellenangst wegzunehmen und die Aufmerksamkeit auf dieses wichtige Thema zu lenken.

Die WK bietet für ihre Mitglieder zahlreiche Beratungen an. Warum ist in diesem Bereich eine Kooperation mit der Notariatskammer geschlossen worden?

Christoph Walser: Die Wirtschaftskammer informiert und berät zu typischen unternehmerischen Praxisthemen – von der Gründungsberatung über Wirtschafts- und Arbeitsrecht bis hin zu Betriebsanlagengenehmigungen. Hier stellt die Kooperation bzw. der Vorsorgescheck eine sehr gute Ergänzung dar. Es ist verständlich, dass dieser Themenbereich von vielen Unternehmern stiefmütterlich behandelt wird – man beschäftigt sich nicht gerne mit Unglücksszenarien. Wenn aber einschneidende Ereignisse schlagend werden, dann können die Auswirkungen sehr weitreichend sein. Deswegen ist es extrem wichtig, Vorkehrungen zu treffen.

Was hat ein Unternehmer nach einer Stunde Beratung in der Hand?

Schwarz: Wir wollen mit dem Beratungsscheck einen Anstoß leisten. Die schlimmsten Dinge treten oft dort ein, wo man gar nicht weiß, dass es im Ernstfall große Probleme geben kann. In dieser Beratungsstunde sollen Unternehmer sensibilisiert werden, in welchen Bereichen dringender Handlungsbedarf besteht. Letztlich geht es darum, gegenüber den Lieben Verantwortung zu übernehmen , nicht erst wenn man 90 ist. Wenn man größere Vermögenswerte zu verwalten hat, gehört eine gewisse Professionalität im Bereich Vorsorge einfach dazu.

Was ist das Ziel der Vereinbarung mit der Notariatskammer?

Walser: Bewusstsein zu schaffen. Vorsorge muss nicht übertrieben werden – aber sie ganz auszublenden, kann im Ernstfall großen Schaden anrichten. Uns geht es darum, rechtzeitig und mit Augenmaß zentrale Regelungen zu treffen, die den Bestand von Betrieben sichern können. Es gehört zur Aufgabe der Wirtschaftskammer, mit dem Beratungsscheck die Initialzündung zu liefern und die Aufmerksamkeit auf ein Thema zu lenken, das viele lieber ausblenden. Aber es nützt nichts, die Augen vor der Realität zu verschließen.

Wo liegen aus Ihrer Erfahrung die drei häufigsten Vorsorge-Schwachpunkte in der Praxis?

Schwarz: Das ist, erstens, ganz klar, die Vorsorgevollmacht. Die Frage in diesem Bereich lautet: Wer handelt für mich, wenn ich - vorübergehend oder dauerhaft - nicht handeln kann? Zweitens: Bei pflichtteilsrechtlichen Regelungen. Jeder Unternehmer kann nur über 50 Prozent seines Unternehmens frei verfügen. Es gilt, zwingende Pflichtteils-Bestimmungen zu berücksichtigen und rechtzeitig rechtlich einwandfreie Regelungen zu treffen. Den dritten großen Bereich stellen gesellschaftsvertragliche Regelungen und Nachfolgeklauseln dar.

Gibt es auch durch die WK bereits Angebote im Bereich Unternehmensvorsorge?

Walser: Neben den rechtlichen Themen zur Unternehmensvorsorge spielen natürlich auch viele andere Faktoren eine Rolle. So sollte beispielsweise rechtzeitig mit der Pensionsvorsorge begonnen oder ein Nachfolger aufgebaut werden. Auch das Wissen um die persönlichen Talente und Fähigkeiten ist wichtig, um nachhaltig erfolgreich zu sein. Im Zuge der Unternehmensvorsorge möchten wir auch auf diese Themen sensibilisieren und unterstützen unsere Mitglieder mit unseren Angeboten dabei.

Weitere Informationen finden Sie auf WKO.at