Vergabehandbuch hilft die Region zu beleben

Die WK unterstützt mit dem Vergabehandbuch Gemeinden, die legalen Spielräume bei Vergaben auszuschöpfen. Das belebt den ländlichen Raum, stärkt mittelständische Betriebe und sichert Arbeitsplätze vor Ort.

Die öffentliche Hand als Auftraggeber ist ein wichtiger Faktor für die heimischen Betriebe. Doch für Land, Gemeinden & Co ist rechtlich genau geregelt, wie diese Beauftragung von Firmen zu erfolgen hat, um Missbräuche zu verhindern und die Fairness sicherzustellen. In der Praxis erweist sich dieser gute Wille des Gesetzgebers leider oft als Bumerang: Da das Vergaberecht extrem komplex ist, werden vor allem seitens der Gemeinden Möglichkeiten nicht ausgeschöpft, um bloß keine juristischen Fehler zu machen. Das führt dazu, dass manchmal Billigst- statt Bestbieter beauftragt werden und damit regionale Betriebe nicht zum Zug kommen.

Doch das Vergabegesetz lässt einiges an Spielräumen zu – wenn man sie zu nutzen weiß. Deswegen hat die Tiroler Wirtschaftskammer ein Vergabe-Handbuch erstellt und steht ergänzend mit ihrem Online-Vergabe-Ratgeber sowie Beratungen durch ihre Experten zur Verfügung. „Die regionalen Wirtschaftskreisläufe sind uns ganz wichtig. Wenn es gelingt, dass vermehrt heimische Klein- und Mittelunternehmen an öffentlichen Ausschreibungen teilnehmen, bleibt die Wertschöpfung in den Kommunen und Bezirken“, erklärt WK-Präsident Christoph Walser. „Regional vergeben heißt, die Region beleben“, bringt Walser die Zielrichtung auf den Punkt. Öffentliche Aufträge an heimische Unternehmen, mündige Konsumenten, die bewusst zu regionalen Angeboten greifen, und eine Politik, die den ländlichen Raum und die Ortskerne belebt – das führt in Summe zu lebendigen Regionen mit wirtschaftlichen Chancen, so Walser.

Arbeitsplätze und Lebensqualität

Auch Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf möchte das Potenzial von öffentlichen Ausschreibungen für die Tiroler Betriebe nutzen und setzt sich für einfache, möglichst direkte und unbürokratische Vergaben ein. „Aufträge der öffentlichen Hand sichern Arbeitsplätze und stärken den Standort. Mit dem Handbuch unterstützt die Wirtschaftskammer Tirol ganz besonders die Gemeinden. Auftragsvergaben sind manchmal recht kompliziert, da ist jede Hilfestellung sehr willkommen“, erklärt die Landesrätin.

Die Branche, die am meisten von fairen und KMU-freundlichen Vergaben profitiert, ist das Gewerbe. „Nichts ist wertvoller als Gewerbe- und Handwerksbetriebe vor Ort, die in allen Gemeinden und Tälern Arbeitsplätze bieten“, erklärt Franz Jirka, Spartenobmann der WK Tirol. Die „Nahversorgung“ mit allen gewerblichen Leistungen bedeutet für Jirka Lebensqualität für die Bevölkerung in allen Landesteilen. „Wir appellieren an die Gemeinden, die Spielräume für eine regionale Vergabe ihrer Aufträge zu nutzen“, so Jirka.

Vergabehandbuch beinhaltet wertvolle Tipps

Das praxisorientierte Vergabe­handbuch berücksichtigt die neuesten Entwicklungen. Dazu gehört auch, dass durch das Vergaberechtsreformgesetz 2018 die Berücksichtigung von kleinen und mittleren Unternehmen gesetzlich verstärkt und geschützt wurde. „Das Handbuch zeigt legale Wege auf, wie Gemeinden rechtskonform im Sinne des Bundesvergabegesetzes einkaufen können und dabei Unternehmen vor Ort eine Möglichkeit bieten, an Ausschreibungen teilzunehmen“, erklärt die Leiterin der WK-Rechtsabteilung, Catharin­a Jahn.

Das Handbuch geht auf viele verschiedene Themenbereiche im Zusammenhang mit öffentlichen Ausschreibungen ein – von der E-Vergabe über die Wahl des Vergabeverfahrens, die Vergabe in einzelnen Losen bzw. Gewerken bis hin zum Bestbieterprinzip und der Direkt­vergabe. Wertvolle praktische Tipps für öffentliche Auftraggeber wie Bestbieterkriterien, die grafische Aufbereitung von Abläufen der gängigsten Vergabeverfahren sowie diverse Musterschreiben sind ebenfalls enthalten. „Das Handbuch sollte in keiner Gemeinde fehlen“, rät Präsident Christoph Walser aus eigener Erfahrung als Bürgermeister von Thaur.

»Weitere Informationen: WKO Online Vergaberatgeber

Best- statt Billigbieter. Mit dem Bestbieter erhält der Auftraggeber eine langfristig optimale Lösung, für die vorwiegend hoch qualifizierte Tiroler Bieter in Frage kommen.

Den Kleinen eine Chance. Mit der Zerstückelung in einzelne Lose bzw. Gewerke können auch kleine Betriebe beauftragt werden. Diese Teilung ist öfter zulässig als es bisher genutzt wurde.

Selbst ausschreiben. Wenn Gemeinden selbst ausschreiben, anstatt sich der österreichischen Bundesbeschaffung zu bedienen, handelt es sich um keine Großmengen – und regional­e Anbieter haben eine Chance.

Arbeits- und Bietergemeinschaften helfen KMU. Werden Arbeits- und Bietergemeinschaften zugelassen, erhalten dadurch kleine Betriebe die Chance, an Ausschreibungen teilzunehmen.

Alternativangebote zulassen. Das ist für kreative Anbieter mit innovativen Lösungen eine Chance – und zusätzlich ein Gewinn für den Auftraggeber.

Ö-Normen als Basis. Das verhindert komplizierte und überladene Ausschreibungstexte und reduziert die Fehleranfälligkeit.