Imster Betriebe legen Gemeinwohl-Bilanz vor

Sechs Unternehmen aus dem Bezirk Imst ließen prüfen, inwieweit ihre Betriebe zum Gemeinwohl beitragen. In die Gemeinwohl-Bilanz fließen vor allem soziale, menschliche und ökologische Aspekte mit ein.

Martin Sanoll ist einer der sechs Unternehmerinnen und Unternehmer, die 2018 ihre Gemeinwohl-Bilanz erstellt haben. Er ist Geschäftsführer der Firma Sanoll Biokosmetik in Stams, einem Familienunternehmen, das seit über 30 Jahren ökologisch hochwertige Biokosmetik entwickelt und produziert. Er beschäftigt derzeit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Faires Miteinander

„Angefangen hat alles Ende der 1970er Jahre. Ich befasste mich mit den damals aktuellen Umweltproblemen wie Waldsterben, Atomkraft, Chlorbleiche und vielen weiteren Themen. Zugleich zog ich mit meinen Eltern auf einen gepachteten Bauernhof im Stubaital und begann, biologisch und biologisch-dynamisch zu wirtschaften. Eines meiner Ziele war, möglichst alle Rohstoffe, die uns die Natur schenkt, respekt- und sinnvoll zu nutzen. Nach meinem Verständnis ist die Herstellung von ehrlicher, ökologisch konsequenter Kosmetik nur mit einer ganzheitlichen Sicht auf alle Beteiligte der Wertschöpfungskette möglich. Ein faires Miteinander war mir schon immer wichtig. Als ich von der Idee der Gemeinwohl-Bilanz erfuhr, habe ich 2014 die erste und 2018 meine zweite erstellt“, erklärt Martin Sanoll.

Wichtiger Schritt in Richtung ethisches Wirtschaften

Mit der Gemeinwohl-Bilanz können sich Unternehmen am eigentlichen Zweck des Wirtschaftens – der Erfüllung menschlicher Bedürfnisse – orientieren. Dabei geht es vor allem um gelingende Beziehungen zwischen den Menschen: Sie sind die Voraussetzung, um glücklich zu sein – sie sind Voraussetzung für das Gemeinwohl. Die Basis bilden Werte wie Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit bzw. Transparenz und Mitentscheidung.

Die Wirtschaftsleistung eines Betriebes, in Geld gemessen, sagt allerdings nichts darüber aus, ob diese Werte gelebt werden und damit das Gemeinwohl steigt oder sinkt. Um das zu messen, sind andere Messgrößen gefragt. Unternehmen können ihren Beitrag zum Gemeinwohl anhand des Gelingens ihrer Beziehungen zu Lieferanten, Geldgebern, Mitarbeitern, Kunden und dem gesellschaftlichen Umfeld bewerten und in einer Gemeinwohl-Bilanz darstellen. Diese ergänzt die Finanzbilanz durch wichtige Parameter wie Menschlichkeit, Umgang mit dem Umfeld, der Umwelt und den Ressourcen. Über 500 Unternehmen in Europa und Amerika haben bereits eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt.

Die Pionierbetriebe aus Imst

Zu den Pionierbetrieben im Bezirk Imst, die 2018 ihre Gemeinwohl-Bilanz erstellt haben, gehören folgende Unternehmen:

  • Alpendruck, Imst, Matthias Egger
  • Der Fährmann, Imst, Bernhard Schöpfer
  • Dietrich Unternehmensberatung, Mieming, Waltraud Dietrich
  • „Mobile“ Private Hortgruppen, Imst, Birgit Lechner
  • Sanoll Biokosmetik, Stams, Martin Sanoll
  • Seifenmanufaktur Neururer, Umhausen, Jochen Neururer

„Wir haben uns gemeinsam intensiv und umfassend mit den Werten von Gemeinwohl beschäftigt und jeder für sich hat Punkte gefunden, bei denen er oder sie etwas verbessern kann. Wir sind überzeugt, dass wir damit einen ersten Schritt in Richtung ethisches und nachhaltiges Wirtschaften gemacht haben“, erklärt Waltraud Dietrich, Unternehmensberaterin mit Gemeinwohl-Bilanz. „Und je mehr Unternehmen und Menschen danach leben, umso stärker wird eine positive Veränderung erkennbar werden.“

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