Raumanzug-Simulator Serenity: Leuchturmprojekt mit Lokalbezug

In der WK Tirol haben das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) und der Förderverein Technik Tirol (FVT) die zweite Generation eines Raumanzug-Simulators präsentiert, der unter anderem von Tiroler Schülern und Studenten mitentwickelt wird.

Der neue Marsanzug-Prototyp „Serenity“ wird 2020 bei der nächsten internationalen Mars-Missions-Simulation unter österreichischer Leitung zum Einsatz kommen. An dem internationalen Projekt sind neben High-Tech Unternehmen auch nationale Bildungseinrichtungen beteiligt. Dabei sind neben dem Management Center Innsbruck auch die drei Tiroler HTL’s Jenbach, Fulpmes und Innsbruck/Anichstraße, der Ferrarischule Innsbruck sowie die HTL Braunau eingebunden und ermöglichen den Schülern und Studenten einzigartige Einblicke in die Raumfahrttechnik.

Rückeneinstieg erhöht Realitätsnähe von Mars-Missions-Simulationen

In die Entwicklung und Fertigung des neuen Marsanzug-Prototypen fließen die Erfahrungen aus allen 12 Mars-Missions-Simulationen des ÖWFs ein. Zu einer der größten Neuerungen gehört der sogenannte „Suitport“. Die ÖWF-Analog-Astronauten werden den Raumanzug-Simulator nicht wie bisher in einem mehrstufigen Verfahren in einzelnen Teilen anziehen, sondern vielmehr durch den Rücken in den Anzug einsteigen können. Dabei wird der Rückeneinstieg so konzipiert, dass er an der Außenschleuse des Simulations-Habitats des Raumanzuglabors der Universität von North Dakota, USA andocken kann. Eine Aufgabenstellung, mit der sich die HTL Anichstraße beschäftigt.

Raumfahrt-Nachwuchsförderung made in Austria

Neben Industriepartnern mit ausgeprägter Expertise wie Dräger, Infineon oder Lancom sowie renommierten Forschungspartnern wie der Eidgenössischen Materialprüf- und Forschungsanstalt Empa in St. Gallen/Schweiz und universitären Partnern wie der Universität Lulea/Schweden oder der TU Wien kommen auch Bildungseinrichtung aus dem Sekundären Bildungssektor zum Zug: Um junge Talente für Raumfahrt und Technik im Allgemeinen zu begeistern, setzt das ÖWF zusammen mit dem FVT auf Partnerschaften mit Höheren Technischen Bundeslehranstalten. „Wir wissen um die hohe Kompetenz der ingenieurtechnischen  Ausbildung in Österreich“, sagt FVT Vorstandsvorsitzender Wolfgang Eichinger, „und es freut uns, dass wir durch das ÖWF die Möglichkeit haben, bei einem Projekt mit dabei zu sein, das eine wirkliche Strahlkraft hat und für junge Menschen technische Ausbildungen attraktiv macht: Raumfahrttechnik gehört zu den inspirierendsten technischen Disziplinen.“

Benedikt Frischmann von der HTL Anichstraße spürt die Begeisterung der Schülerinnen und Schüler: „Bei diesem Projekt können sie nicht nur in der Schule Gelerntes umsetzen, sondern sind in vielerlei Hinsicht gefordert: Sie bringen sich zum ersten Mal in einem internationalen Hightech Projekt ein - mit faszinierenden Herausforderungen, die ein gutes Zusammenarbeiten der Teams erfordert, detaillierten technischen Anforderungen, Budgetvorgaben – und das ganze natürlich auf Englisch. Wir sehen bei Schülerinnen und Schülern wie sie beginnen, sich ungefragt Wissen selber anzueignen und engagiert an technischen Problemstellungen in ihrer Freizeit tüfteln. – Für uns Lehrer ist das toll!“

„Das ÖWF leistet im Rahmen der Entwicklung des Raumanzug-Simulators auch einen wichtigen Beitrag, um Nachwuchs für Wissenschaft und Technik zu gewinnen“, sagt Gernot Grömer, Administrative Director des ÖWF,  und führt aus: „Ambitionierte Herausforderungen an der Grenze des technisch Machbaren wie einen Mars-Flug in 20-30 Jahren sind für junge Talente inspirierend: Bei uns sammelt die nächste Generation von Wissenschaftlern und Technikern außergewöhnliche Erfahrungen.“

Tiroler Beteiligungen und nächste Schritte

„Das Raumanzugslabor des Österreichischen Weltraum Forums ist in Innsbruck, und damit auch eine Zusammenarbeit mit Tiroler Bildungseinrichtungen wie dem MCI und den HTL’s Jenbach, Fulpmes und Innsbruck/Anichstraße naheliegend. Der FVT fördert seit langem technische Ausbildungen in Tirol, um dem Fachkräftemangel im Bereich qualifizierter technischer Arbeitskräfte entgegenzuwirken. Mit der gemeinsamen Idee von ÖWF und FVT, Tiroler Schulen und Bildungseinrichtungen in das SERENITY-Projekt mit einzubinden, haben wir einen weiteren wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Mit dem SERENITY-Projekt haben wir ein außergewöhnlich spannendes, internationales Projekt gemeinsam mit dem ÖWF initiiert“, so FVT-Vorsitzender Eichinger.

Im April 2019 soll der erste Prototyp in Westösterreich getestet werden und dann eine Kleinserie von bis zu vier dieser hochspeziellen Anzüge unter Einbindung der HTLs gefertigt werden. Bei der nächsten Mars-Missions-Simulation 2020 werden die Analog-Astronauten voraussichtlich bereits mit Serenity arbeiten.

Im Bild oben (v.l.): Gernot Grömer (ÖWF), Wolfgang Eichinger (FVT) und Benedikt Frischmann (HTL Anichstraße) sind stolz auf die gemeinsamen Erfolge beim Serenity-Projekt.

 

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) gehört im Bereich der Analog-Forschung weltweit zu den führenden Organisationen, die eine astronautische Raumfahrt vorbereiten. RaumfahrtspezialistInnen sowie ExpertInnen verschiedenster Disziplinen bilden innerhalb des ÖWFs die Basis für diese Arbeit. Gemeinsam mit nationalen und internationalen Forschungseinrichtungen, Industrie und Unternehmen unterschiedlicher Branchen wird hier Forschung auf höchstem Niveau betrieben. Dabei nutzt das ÖWF seine ausgezeichneten Kontakte zu MeinungsbildnerInnen, Politik und Medien, um österreichische Spitzenforschung und Technologie international voranzutreiben und bekanntzumachen. Das Österreichische Weltraum Forum ist zudem einer der wichtigsten Bildungsträger in Österreich, wenn es um Raumfahrt geht und darum, junge Menschen für Wissenschaft und Technik zu begeistern sowie ihnen einen Zugang zu dieser Branche zu ermöglichen. Neben der Betreuung von universitären Arbeiten bietet das ÖWF auch immer wieder Studierenden und SchülerInnen die Möglichkeit, im Rahmen von Praktika ihr Wissen zu erweitern. Mehr unter www.oewf.org

Der Förderverein Technik Tirol (FVT) wurde 1995 gegründet, um den Fachhochschulstudiengang Verfahrens- und Umwelttechnik zu entwickeln und ins Leben zu rufen. Zwischen 1998 und 2003 fungierte der Förderverein Technik als Erhalter dieses FH-Studiengangs. 2003 hat die MCI GmbH diese Funktion übernommen und seither das Technik-Angebot am MCI um einiges erweitert. Noch im gleichen Jahr begann eine Inhaltliche Neuausrichtung und Fokussierung auf eine breit angelegte Kampagne zur Stärkung und Förderung des Stellenwertes der technischen Ausbildungen im Allgemeinen. Der Förderverein Technik Tirol hat daher folgende Ziele: die Förderung und Weiterentwicklung des bestehenden Fachhochschulstudiengangs Verfahrens- und Umwelttechnik die Förderung neuer technischer Studiengänge in Tirol die Förderung von technischen Ausbildungen auf allen Ebenen die Förderung des Stellenwertes der technischen Qualifikation in der Tiroler Wirtschaft und Öffentlichkeit. Durch verschiedenste Projekte wie „Be the Best", „Jugend forscht in der Technik", Förderungen und Unterstützungen von Diplomarbeiten, Veranstaltungen, (Anschub-)Finanzierungen für technische Ausstattungen von Bildungseinrichtungen und vielem mehr, wird versucht diese Ziele zu verwirklichen und unserem Motto „Technik motiviert, Technik fasziniert" treu zu bleiben, damit junge Menschen motiviert und interessiert sind, technische Berufe zu ergreifen. Mehr unter www.technik-tirol.at