Flexible Arbeitszeit stärkt Tiroler Betriebe und sichert Arbeitsplätze

Unternehmen brauchen und wollen flexible Arbeitszeit. Mitarbeiter auch. Doch AK und ÖGB mauern gegen eine Modernisierung der Arbeitszeit – und gefährden damit Jobs.

Globaler Wettbewerb, wechselnde Trends, Just-in-Time-Produktion, anspruchsvollere Kunden, Konjunkturschwankungen, Online-Konkurrenz: all das erfordert von den heimischen Firmen wesentlich mehr Flexibilität als früher.Die Wirtschaft drängt daher seit langem auf die überfällige Flexibilisierung der Arbeitszeit. „Wer Aufträge ablehnen muss, riskiert, Kunden auch für die Zukunft zu verlieren“ stellt WK-Präsident Jürgen Bodenseer klar.

Das aktuelle gesetzliche Korsett ist zu starr: Es ist eine maximale Arbeitszeit von zehn Stunden am Tag vorgeschrieben, zwölf Stunden sind nur in eng begrenzten Ausnahmefällen möglich. Die Bundesregierung hat letzte Woche angekündigt, möglichst bis Ende Juni einen Gesetzesentwurf für flexiblere Arbeitszeiten vorzulegen.

Es geht darum, die Arbeitszeit zu modernisieren

AK und ÖGB laufen Sturm dagegen und scheuen auch vor unrichtigen Behauptungen nicht zurück: Sie warnen in ihren Fake News, dass sich die Wirtschaft „generell“ 12-Stunden-Tage und 60-Stunden-Wochen wünsche, dass sämtliche Zuschläge fallen würden und die Arbeitszeit bereits flexibel genug geregelt sei. Wörtlich stellen sie ihren Mitgliedern folgende Frage: „Arbeitszeit: Sollen der 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche auch künftig die Ausnahme bleiben und sämtliche Zuschläge erhalten bleiben?“

Doch diese Formulierung geht an der Realität vorbei. Es geht nur darum, die Arbeitszeit zu modernisieren  und fallweise längere Arbeitszeiten auf Betriebsebene zu vereinbaren. „Daher halte ich dezidiert fest: längere Arbeitstage sollen die Ausnahme bleiben, um Auftragsspitzen abzuarbeiten. Auch an den Zuschlägen wird nicht gerüttelt“, erklärt Jürgen Bodenseer.

Im Gegenzug können die Arbeitnehmer bei schwächerer Auftragslage attraktive Freizeitblöcke in Anspruch nehmen. Genau das wünschen sich viele Mitarbeiter für sich selbst und ihre Familien. Das wird aber von den Arbeitnehmervertretern ignoriert, die – ausgerechnet in Zeiten akuten Arbeitskräftemangels - völlig weltfremd statt Arbeitszeitflexibilisierung eine Arbeitszeitverkürzung fordern.

Flexible Arbeitszeit ist Win-win-Situation

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In einer Umfrage unter Betrieben aller Größenordnungen hat die Tiroler Wirtschaftskammer letzte Woche die entscheidende Frage gestellt – und zwar in seriösem und korrektem Wortlaut: 12-Stunden-Tage sollen die Ausnahme sein und Zuschläge sollen erhalten bleiben. Das Ergebnis ist eindeutig: 87 Prozent wünschen sich eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Um Auftragsspitzen abzuarbeiten. Um den Bestand des Betriebes und der Arbeitsplätze zu sichern. Und um den Mitarbeitern längere Freizeitblöcke zu ermöglichen. „Was soll an dieser Win-win-Situation für Unternehmer UND Mitarbeiter falsch sein?“ wundert sich Jürgen Bodenseer über den anhaltenden Widerstand seitens der Arbeitnehmervertreter.

 

Handlungsbedarf:
Österreich liegt im internationalen Vergleich bei der Flexibilität der Arbeitszeit hinten. Über 80 % der Unternehmen mit mehr als neun Mitarbeitern in Finnland, Dänemark und Schweden praktizieren flexible Arbeitszeiten. In den heimischen Kollektivverträgen ist kein Platz für betriebsspezifische Lösungen. Deshalb brauchen Österreichs Betriebe mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Betriebe und Mitarbeiter bzw. der Betriebsrat kennen die Bedürfnisse des Betriebs schließlich am besten.

Fair für alle:
Arbeitnehmer sind flexiblen Arbeitszeiten gegenüber sehr positiv eingestellt. Eine Market-Umfrage (2017) zeigt: 85 % der Arbeitnehmer sind davon überzeugt, dass heute mehr Flexibilität notwendig ist als früher. 78 Prozent sagen, dass sie flexibel und bereit sind, phasenweise länger zu arbeiten. Arbeitnehmer erhalten durch flexible Arbeitszeiten mehr Verdienst 
(50 % Zuschlag für Überstunden) und längere Freizeitblöcke. Auch die Vereinbarkeit Beruf-Familie wird verbessert.

Ausnahme statt Regel:
Flexible Arbeitszeiten bedeuten nicht, dass die Mitarbeiter insgesamt mehr bzw. länger arbeiten müssen. 12 Stunden pro Tag bleiben die Ausnahme – im Gegenzug wird bei Auftragsflaute weniger gearbeitet. Im Schnitt dürfen maximal 48 Stunden pro Woche nicht überschritten werden. Die 11. und 12. Stunde sind grundsätzlich Überstunden mit Zuschlag. Es geht ausschließlich um eine bessere Anpassung an die Auftragslage. Die Angstmache vor einem generellen 12-Stunden-Tag ist somit nicht seriös.