Tiroler Firmen profitieren von Olympia

Nicht nur die österreichischen Sportler konnten bei Olympia in Südkorea Erfolge feiern. Es gibt eine Reihe von Tiroler Unternehmen, die zu den Winterspielen schöne Aufträge an Land gezogen haben.

Unternehmen aus Tirol haben in den letzten Jahren den Ruf des Landes als Standort für Wintersportkompetenz gestärkt. Das ist eine gute Basis, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein. Einen Beweis dafür liefern auch die Olympischen Winterspiele im koreanischen Pyeongchang. Korea war schon bisher ein teilweise sehr erfolgreich bearbeiteter Markt für Tiroler Unternehmen. Bei der letzten österreichischen Wirtschaftsdelegation in Südkorea waren zwei Drittel der Firmen aus Tirol. Der Südtiroler Seilbahnbauer Leitner, der in Telfs ein wichtiges Produktionswerk unterhält, hat im Bereich Seilbahnen in Korea einen Marktanteil von 60 Prozent: „Insgesamt hat unsere Unternehmensgruppe 66 Seilbahnen in Korea gebaut", teilt Firmensprecher Maurizio Todesco mit.

Für die Infrastruktur und den Betrieb der Spiele haben die Koreaner wieder etliche Tiroler Firmen als Lieferanten und Dienstleiter ausgewählt: so die Firma Steinbach Alpin aus Oberndorf bei Kitzbühel. Das Unternehmen, gegründet von Christian Steinbach, steht für höchste Qualität bei der Präparierung von Skipisten. Mit dem speziell entwickelten Injektionssprühbalken wird Wasser mit hohem Druck in den Schnee gespritzt. Durch den Kapillareffekt und die Verdunstungskälte härtet der Schnee von unten nach oben aus und gewährleistet so eine gleichmäßig harte Piste.

Pistenpräparierung aus Oberndorf

Seit 20 Jahren präpariert Steinbach Alpin anspruchsvolle Skipisten für die wichtigsten Wintersport-Wettkämpfe weltweit. Schon bei den Olympische Winterspielen von Nagano, Turin, Vancouver und Sotchi hat sich die Technik von Steinbach Alpin bewährt, ebenso bei Weltmeisterschaften, Weltcuprennen, Rodelbahnen, sogar bei Langlaufloipen und Winterpolospielfeldern. Für hochkarätige Skirennen, wie sie Olympia bieten muss, sind perfekte Pisten ein Muss. Die Härte der Piste muss sehr genau auf das jeweilige Erfordernis eingestellt sein. Der Pistenschnee muss z. B. bei einem Damen-Abfahrtslauf auf ein Gewicht von 450 bis 480 Kilo pro Kubikmeter gebracht werden, bei einem Herren-Slalom auf 650 Kilogramm. Da braucht es viel Genauigkeit, um zu gewährleisten, dass auch die Läufer mit höheren Startnummern noch eine akzeptable Piste vorfinden, berichtet Firmeninhaberin und Geschäftsführerin Gitti Weber: „Die 30er-Regel (Anm: Der Führende des ersten Durchgangs startet erst als 30. des zweiten Laufs) gibt es auch erst, seit es unseren Injektionssprühbalken gibt." Daher ist Steinbach Alpin jetzt auch für die Pistenpräparierung in Korea verantwortlich – ein Auftrag, der durchaus bedeutend ist für das Tiroler Unternehmen.

"Viel Vorbereitungsarbeit war notwendig"

Gitti Weber, Geschäftsführerin von Steinbach Alpin unterstreicht die Bedeutung der Olympia-Aufträge.

TW: Wie gut ist der Ruf von österreichischen Wintersport-Ausrüstern in Asien? Hat er geholfen bei den Olympia-Aufträgen?

Gitti Weber: Es hilft natürlich, dass man schon bei den vorangegangenen Olympischen Winterspielen dabei war. Aber das allein ist nicht genug, es braucht jedes Mal aufs Neue viel Vorbereitung und Überzeugungskraft, um zu vermitteln, dass das eigene Produkt notwendig und gut ist.

Wie einfach oder kompliziert war die Umsetzung des Auftrags?

Die Russen haben wir für die Spiele in Sotchi (Anm: im Jahr 2014) mit unserer Qualität gut überzeugen können. In Korea war das jetzt schwieriger. Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, um zu zeigen, dass es einen Unterschied macht, ob ich mit unserem Injektionssprühbalken arbeite oder mit einem Gartenschlauch. Die Koreaner waren auch besonders sparsam und haben viel mehr gefeilscht als die Russen. Das alles hat eine längere Vorbereitungszeit erfordert.

Wie bedeutend ist der Olympia-Auftrag für Ihr Unternehmen?

Steinbach Alpin hat schon vor zwei Jahren eine erste Charge für den Alpinskilauf nach Korea geliefert, jetzt zu Olympia eine zweite Charge. Das ist für das Unternehmen durchaus wichtig: In einem Olympia-Jahr liegt unser Umsatz um 20 bis 25 Prozent höher als in einem Normaljahr.

Rechnen Sie mit Folgeaufträgen aus Korea?

Folgeaufträge in Korea sind wahrscheinlich, freilich erst nach einigen Jahren, wenn es den Koreanern gelungen sein wird, mehrere hochklassige Rennen ins Land zu holen. Wir sprechen hier nicht von den nächsten ein, zwei Jahren, sondern von vielleicht zehn Jahren. Dann hilft es dann allerdings, dass man bei Olympia dabei gewesen ist.

Gitti Weber, Geschäftsführerin von Steinbach Alpin unterstreicht die Bedeutung der Olympia-Aufträge. Gitti Weber, Geschäftsführerin von Steinbach Alpin unterstreicht die Bedeutung der Olympia-Aufträge. Foto: Steinbach Alpin

Beschneiung aus Volders

Für Pistenbeschneiung ist indessen ein anderes Tiroler Unternehmen verantwortlich: TechnoAlpin mit Standort in Volders hat die Beschneiungsanlagen für die zwei Hauptaustragungsorte der Ski- und Snowboardwettkämpfe errichtet. Beide Skigebiete (Yongpyong Alpine Center und Bogwang Phoenix Snow Park) sind bereits seit Mitte der 90er Jahre Kunden von TechnoAlpin. Für die Olympischen Spiele wurden die Anlagen zwischen 2015 und 2016 erweitert. Im Zuge dieser Erweiterung sorgen nun ca. 150 Schneeerzeuger für optimale Bedingungen bei den Spielen.

Die Rohrleitungen und Kühltürme der beiden Anlagen wurden bereits in der Vergangenheit errichtet. Auch die Pumpstationen waren bereits vorhanden, wurden aber im Zuge der Aufrüstung vollautomatisiert. Beide Gebiete sind durch die TechnoAlpin-Steuerungssoftware vollautomatisch bedienbar. Insgesamt beläuft sich das Projektvolumen auf fünf Millionen Euro.

Seit Mitte der 90er Jahre ist das Unternehmen auf dem koreanischen Markt tätig und hat viel Erfahrung. Bereits die Winterspiele in Sotchi, Turin und Salt Lake City wurden auf Schnee von TechnoAlpin ausgetragen. „TechnoAlpin hat damit viele olympische Referenzen, die der Provinz Sicherheit gaben, dass die Schneekonditionen perfekt sein werden", sagt Firmensprecher David Klotz. Die größte Herausforderung war die kurze Bauzeit. In nur vier Monaten musste etwa die Anlage in Yongpyong installiert werden. Dazu kommt: Für die Schneeerzeugung ist das Klima in Südkorea eine große Herausforderung: Randtemperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit stellen die Beschneiung vor besondere Herausforderungen.

„Natürlich hoffen wir, dass damit auch der Grundstein für weitere Projekte in Asien gelegt wurde, vor allem im Zuge der Olympischen Spiele 2022", sagt Klotz. Das erneute Vertrauen auf TechnoAlpin bei Olympischen Winterspielen biete Sicherheit für Entscheidungsträger auf der ganzen Welt und schaffe vor allem in den Exportmärkten außerhalb des Alpenraums neue Möglichkeiten für Kooperationen und Projekte.

Für perfekt beschneite Pisten ist bei Olympia die Firma TechnoAlpin mit Standort in Volders zuständig. Für perfekt beschneite Pisten ist bei Olympia die Firma TechnoAlpin mit Standort in Volders zuständig. Foto: TechnoAlpin

Sicherungssysteme aus Innsbruck

Die Firma Axess mit Produktion in Innsbruck ist für die Akkreditierungs- und Zutrittssysteme im Österreich-Haus verantwortlich. Bei den Spielen in Sotchi vor vier Jahren kamen immerhin 25.000 Besucher ins Österreich-Haus, in Südkorea erhofft man sich noch mehr Besucher. Das Zutrittsmanagement zum Austria House umfasst die Akkreditierung der Gäste, VIPs und Journalisten sowie die Lieferung von 10.000 RFID-Tickets. Diese müssen höchste Sicherheitsansprüche erfüllen, weil jedes Ticket personalisiert und mit dem Bild der Person gespeichert wird.

„Nachdem Österreich ein Wintersport-Land ist, sieht man gerne in unsere Richtung, weil wir viel Erfahrung einbringen. Axess liefert bereits seit mehreren Jahren Zutrittssysteme und Resort-Lösungen nach Asien. Wir sind abgesehen davon wahrscheinlich eines der wenigen Unternehmen, die sogar Chip-Karten nach China exportieren! Normalerweise ist das ja umgekehrt", sagt Pressesprecherin Claudia Kopetzky.

Wie kam Axess zum Olympia-Auftrag? „Wir sind schon seit Jahren in Kontakt mit den Verantwortlichen des ÖOC und haben unser Können erstmals 2016 zeigen dürfen. Das war so überzeugend, dass wir seither dieses Projekt umsetzen dürfen. Unsere anderen erfolgreichen Projekte weltweit sprechen zusätzlich für uns. Wir sind natürlich auch auf allen wichtigen Messen im asiatischen Raum vertreten und zeigen dort unsere Lösungen", berichtet Kopetzky.

Nachdem Olympische Spiele nicht nur Sportler, sondern auch wichtige Geschäftspartner anziehen, will Axess vor Ort die hochkarätigen Kontakte nutzen und versuchen, in Korea weiter erfolgreich zu sein. Und bei weiteren Olympischen Winterspielen: So konnte Axess in den letzten Jahren schon in China zwei Skigebiete ausrüsten, die zu den Austragungsorten der Olympischen Spiele 2022 gehören.

"Axess liefert bereits seit mehreren Jahren Zutrittssysteme und Resort-Lösungen nach Asien", erklärt Pressesprecherin Claudia Kopetzky. "Axess liefert bereits seit mehreren Jahren Zutrittssysteme und Resort-Lösungen nach Asien", erklärt Pressesprecherin Claudia Kopetzky. Foto: Axess

Gondelblick aus Kufstein

Für einen ungetrübten Ausblick aus den Seilbahngondeln sorgt in Korea ein Unternehmen aus Kufstein: die Durch-Blick GmbH. Das Skiresort Yongpyong trat im vergangenen Sommer über ein koreanisches Partnerunternehmen an die Kufsteiner heran, um die alten und trüben Kabinenscheiben der Bahn wiederaufbereiten zu lassen: „Nach längeren Verhandlungen vereinbarten wir mit diesem koreanischen Unternehmen einen Lizenzvertrag und schulten einige Mitarbeiter auf unsere Produkte und unsere Dienstleistung in Kufstein ein", berichtet Firmensprecherin Christina Koffou-Zanderigo. Gemeinsam mit zwei Tiroler Mitarbeitern wurden schließlich im Oktober die Scheiben der 99 Kabinen wiederaufbereitet – durch Schleifen, Polieren und Versiegeln – und ihnen der Durchblick zurückgegeben.

Die Umsetzung des Auftrages war nicht einfach, und auch die Verhandlungen gestalteten sich teilweise recht kompliziert. Wichtig für die Auftragsvergabe war die Tatsache, dass die Kufsteiner in den vergangenen Jahren bereits Kontakt zu einem anderen koreanischen Geschäftspartner hatten und über die Wirtschaftskammer sowohl im Inland als auch über das AußenwirtschaftsCenter in Seoul wichtige Informationen über die Mentalität der Koreaner und den Umgang mit ihnen bei Geschäftsverhandlungen erhalten haben: „Es ist essentiell, die kulturellen Unterschiede und Feinheiten zu kennen. Darüber hinaus erreichten wir natürlich über die Jahre durch die Teilnahme an der Interalpin in Innsbruck bereits einen gewissen Bekanntheitsgrad." Dort hatte Durch-Blick immer wieder Kontakt zu koreanischen Unternehmen aus der Branche.

„Man schätzt das österreichische Qualitätsdenken und unsere Verlässlichkeit", sagt Koffou-Zanderigo. So bestand auch das Skiresort Yongpyong darauf, dass Mitarbeiter aus Kufstein bei der Umsetzung des Auftrages vor Ort anwesend sind und aktiv mitarbeiten.

Das Unternehmen will Olympia als Sprungbrett nützen: „Dieser Auftrag machte zwar nur einen geringen Prozentsatz unseres Gesamtvolumens aus, allerdings konnten wir dadurch auch einen Lizenzpartner für den koreanischen Raum gewinnen, mit dem nun weitere Schritte gesetzt werden, nicht nur bei Seilbahnen, sondern auch für Flugzeuge und Helikopter. Der Auftrag war auch wichtig für uns, da wir gerade dabei sind, neue Märkte zu erschließen. So konnten wir in letzter Zeit auch Aufträge aus China, Malaysien und Macau verbuchen", berichtet Koffou-Zanderigo.

Für klare Sicht bei den Seilbahngondeln in Korea sorgt die Firma Durch-Blick aus Kufstein. Für klare Sicht bei den Seilbahngondeln in Korea sorgt die Firma Durch-Blick aus Kufstein. Foto: Durch-Blick

Rettungsgeräte für Olympia aus Thaur

Die Tyromont Alpin Technik GmbH in Thaur hat für die Olympischen Spiele in Korea 30 Rettungsschlitten, Modell „Canadier", und 30 Verletztensäcke geliefert, die primär bei den alpinen Bewerben zum Einsatz kommen werden: „Umsatzmäßig sind die Aufträge für Großereignisse nicht entscheidend für unser Unternehmen, imagemäßig gelten Großereignisse aber durchaus als interessant und gute Referenz", sagt Markus Greil von Tyromont: „So werden unsere Rettungsgeräte schon seit vielen Jahren bei Großereignissen wie Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften eingesetzt. Z. B. vertrauten die Rettungsmannschaften der Olympischen Spiele in Sotchi 2014, der Weltmeisterschaften 2017 in St. Moritz, 2015 in Vail Beaver Creek, 2013 in Schladming oder 2011 in Garmisch-Partenkirchen auf Rettungsgeräte von Tyromont."

Pikant: Weil die koreanischen Olympia-Organisatoren offenbar lange Zeit auf die Rettungsgeräte vergessen hatten, wurde der Auftrag erst gegen Ende 2017 (!!) ausgeschrieben. Dann musste alles schnell gehen, was durchaus im Interesse von Tyromont war: „Bei der Ausschreibung für die Rettungsschlitten wurden zwar nicht explizit unsere Produkte ausgeschrieben, es wurde aber viel Wert darauf gelegt, dass es ein europäisches Produkt sein muss", berichtet Greil.

Hier half der gute Qualitätsruf der Tiroler Wintersportbranche: „Schon als Teilnehmer der WKO-Wirtschaftsdelegationsreise nach Südkorea Anfang 2015 hatte ich den Eindruck, dass der Ruf von Tiroler Wintersport-Ausrüstern sehr gut ist in Asien und vor allem die Expertise und Erfahrung geschätzt wird."

Das gute Tiroler Image alleine ist freilich zu wenig. „Ausschlaggebend für den Zuschlag war sicherlich primär unsere Bekanntheit und Expertise in diesem Bereich", berichtet Greil. Viel geholfen haben die Wirtschaftskammer-Delegationsreise nach Korea und die Präsenz auf der Wintersportmesse Interalpin 2015, wo man eine koreanische Delegation auf dem eigenen Messestand empfangen konnte.

Tyromont ist mit einem Exportanteil von ca. 70 Prozent in mehr als 40 Staaten weltweit präsent. Ob das Unternehmen mit Folgeaufträgen aus Korea rechnen kann, bleibt erst noch abzuwarten, da die Spiele in Korea zu wenig nachhaltig geplant seien. Greil: „Meiner Einschätzung nach werden die Olympischen Spiele in Korea kaum zu einer raschen Belebung des Wintersports dort führen." Es braucht also Geduld.

Rettungsschlitten in Korea kommen aus Thaur von der Firma Tyromont. Rettungsschlitten in Korea kommen aus Thaur von der Firma Tyromont. Foto: Tyromont

Der Markt Korea:

Österreichs Exporte nach Korea belaufen sich auf 855 Mio. Euro, die Importe auf 755 Mio. Euro.

Die Exporte stiegen in den ersten drei Quartalen 2017 von 851 auf 930 Mio. Euro. Hauptexportprodukte sind Straßenfahrzeuge, Maschinen, Apparate, Fleisch sowie Mess-, Prüf- und Kontrollinstrumente.

Importiert werden vor allem Kfz, elektrische Maschinen und Geräte für die Nachrichtentechnik.

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