Ali Yildiz: Mit Leib und Seele Friseur

Trotz Gehörschwierigkeiten hat Ali Yildiz großen Spaß an seinem Beruf. Während seiner verlängerten Lehrzeit steht ihm eine Berufsausbildungsassistentin zur Seite, die ihm auf seinem Weg in die Arbeitswelt hilft.

Eigentlich wollte er eine Lehre als Lackierer oder Installateur beginnen. Jetzt lernt er als Friseur in Kufstein und möchte diesen Beruf „sein ganzes Leben lang machen“. Muhammet Ali Yildiz, genannt Ali, ist 17 Jahre alt, sehr sportlich, offen und fleißig. In seiner Verwandtschaft gibt es zwar viele Friseure, ihn selbst hat der Beruf aber eigentlich nie so begeistert. Bis er dann bei seinem Onkel schnuppern durfte. Daraufhin bewarb er sich bei dm, bekam gleich eine Schnupperstelle und wurde schließlich genommen. „Mir gefällt es, Leute zu verändern“, begründet er seine Begeisterung für den Beruf.

"Probleme mit Kunden hat es nie gegeben"

Am Anfang hatte er es allerdings nicht so einfach. Das liegt daran, dass er auf dem rechten Ohr gehörlos ist. Auf der linken Seite hört er zwar perfekt, mit dem Lärm im Studio, den die Föns verursachen, stellte die Kommunikation dennoch oft ein Problem dar. Ali ist aber nicht der Typ, der sich davon unterkriegen lässt: „Ich habe den Leuten immer gleich gesagt, was Sache ist. Mittlerweile habe ich ja auch schon meine Stammkunden und die wissen alle Bescheid, dass sie eher langsam, laut und deutlich sprechen müssen.“ Die Kunden seien durch die Bank verständnisvoll gewesen, Probleme habe es nie gegeben. Inzwischen hat sich die Lage aber ohnehin deutlich verbessert. Ali trägt mittlerweile eine Hörbrille. Dabei wird das Hörgerät kaum sichtbar in die Brille integriert. Bei der Auswahl hat ihm seine Betreuerin Sabine Zenz von der Arbeitsassistenz Wörgl geholfen: „Wir haben uns auf die Umstände eingestellt und sind gleich mit vier Föns angerückt“, schmunzelt sie.

Ali nimmt die Ausbildungsform der Verlängerten Lehre in Anspruch. Diese soll Jugendlichen mit Lernschwierigkeiten oder Beeinträchtigungen bessere Chancen auf eine Lehrstelle geben. Die Lehrzeit kann in diesem Fall einfach um ein bis zwei Jahre verlängert werden. Als Unterstützung erhalten sie eine Berufsbildungsassistenz, die immer im Kontakt mit dem Lehrling, den Erziehungsberechtigten, dem Lehrbetrieb und der Berufsschule steht. „Wir unterstützen die Mädchen und Burschen während der Verlängerten Lehre, damit sie sich eine gute Basis für ein selbstbestimmtes Leben schaffen können.“, sagt Evelina Haspinger, Fachbereichsleiterin der Berufsbildungsassistenz. „Die Dienstleistung gehört zum bundesweiten Netzwerk berufliche Assistenz und wird vom Sozialministeriumservice Tirol und vom Europäischen Sozialfonds gefördert.“

Alis Betreuerin Sabine Zenz organisiert beispielsweise eine Nachhilfe, unterstützt ihn aber auch sonst in seinem Berufsleben. Vor allem vor und während der Berufsschule leistet sie sehr viel Sensibilisierungsarbeit: „Die Lehrer wurden von uns alle gebrieft. Ali sollte vorne sitzen, das rechte Ohr sollte eher bei der Wand sein und die Lehrer sollten kurze Sätze verwenden und langsam sprechen.“ Auch bei den Prüfungen wurden Abkommen getroffen. Für Ali stellt es nämlich eine Herausforderung dar, gleichzeitig zu hören und zu schreiben. Deshalb darf er viele Prüfungen, wie beispielsweise in Englisch, mündlich statt schriftlich ablegen.

Große Pläne für die Zukunft

Mit dem Lehrbetrieb steht Zenz ebenfalls in regelmäßigem Kontakt: „Ich erhalte sehr gute Rückmeldungen. Ali ist sehr fleißig, interessiert und vor allem offen!“, lobt sie ihn und Ali wirft ein: „Beim Tempo hapert’s halt noch ein bisschen.“ Am Humor fehlt es dem 17-jährigen jedenfalls nicht und das Reden fällt ihm auch nicht schwer. Also perfekte Voraussetzungen für einen Friseur. „Die Kunden mögen ihn sehr gerne, er hat auch schon Stammkunden“, strahlt Sabine Zenz.

Seine Zukunft hat Ali schon geplant: „Ich möchte die Lehre unbedingt mit gutem Erfolg abschließen. Irgendwann will ich mich dann gemeinsam mit meinen Geschwistern selbstständig machen.“ Sein jüngerer Bruder lernt nämlich ebenfalls Friseur und auch seine kleine Schwester strebt diesen Beruf an. Das Friseur-Gen scheint also durchaus in der Familie zu liegen.

» Weitere Informationen zur integrativen Berufsausbildung:
www.wko.at/service/t/bildung-lehre/Integrative_Berufsausbildung.html

Kategorie(n)