Mahrer will Digitalisierung bis ins letzte Tal

© ARCHIV - Ein Mann hält am 20.08.2014 in Neumünster (Schleswig-Holstein) seine Hand vor einen Verteilerpunkt, in dem zahlreiche Glasfaserkabel unter anderem zur Übertragung von Hochgeschwindigkeitsinternet zusammenlaufen. (zu dpa "Digitalisierung - Was auf die nächste Bundesregierung zukommt" vom 19.09.2017) Foto: Daniel Reinhardt/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Damit das Urlaubsland Österreich international wettbewerbsfähig bleibe, dürfe es die Digitalisierung nicht verschlafen, so Wirtschaftsminister Harald Mahrer. Nötig sei die Förderung der Infrastruktur "tatsächlich bis ins letzte Tal."

Im weltweiten Vergleich hinkt Österreich in Sachen Digitalisierung hinterher. Darin waren sich Wirtschaftskammer, Österreich Werbung und Wirtschaftsminister Mahrer bei einer gemeinsamen Pressekonferenz einig: "Im besten Fall fünf Prozent der österreichischen Hoteliers verwenden Datenmaterial zu Buchungsströmen und sehen sich die aktuelle Preissensibilität an", so Mahrer. "International macht das ein Drittel." Denn damit könne man "die Ertragskraft eines Hotels um 10 Prozent jährlich steigern".

"Die Branche hat ein Viertel des Weges bis 2020 bewältigt, drei Viertel des Weges sind noch zu erledigen", sagte Österreich-Werbung-Chefin Petra Stolba unter Verweis auf einen strategischen Unternehmensberater. "Wir waren mal sehr gut unterwegs und sind hier sicherlich abgerutscht."

Als Erstes seien österreichweit die entsprechende Infrastruktur, also schnelles Internet für alle, ein zentraler Datenpool mit Informationen über Urlauberverhalten und die digitale Qualifizierung der Mitarbeiter in den Tourismusbetrieben selbst notwendig. "Der Tourismus ist von existenzieller Bedeutung für den österreichischen Wirtschaftsstandort", bekräftigte Mahrer.

Doch alleine für den Ausbau der digitalen Infrastruktur seien in Österreich rund 10 Mrd. Euro nötig. Diese Summe wurde bereits mehrmals genannt und soll sich aus privaten und öffentlichen Mitteln zusammensetzen. "Der Löwenanteil wird natürlich von Privaten kommen, wenn man die nötigen Anreize schafft", regte Mahrer unter anderem regulatorische Maßnahmen an. So könnten etwa die Mieten für Sendemasten reduziert werden. "Die eine Milliarde, die die Bundesregierung versuchte zu investieren, war bestenfalls ein mittelmäßiger Versuch - die Milliarde ist im besten Fall durchschnittlich", kommentierte der Minister die vielzitierte "Breitbandmilliarde".

Gemeinsames Datenmanagement benötigt

Im Tourismus will das Ministerium nun "Leuchtturmprojekte im Digitalisierungsbereich von 2018 bis 2020 mit jährlich 5 Mio. Euro, also insgesamt 15 Mio. Euro, finanzieren. Davon sollen jährlich 2 Mio. Euro in den Daten-"Hub" fließen, den die nationale Tourismusmarketing-Organisation Österreich Werbung (ÖW) gerade erstellt.

Der Haken am "Hub": Es gibt bereits sämtliche Daten in Österreich, allerdings "sehr fragmentiert", wie Stolba anmerkte. Sie laufen nicht zentral zusammen. "Unsere Daten, die wir im Laufe der letzten Jahre gesammelt haben - einige tausend Gästedaten - werden gehütet wie unser ureigener Schatz", berichtete Wirtschaftskammer-Tourismusobfrau Petra Nocker-Schwarzenbacher, die auch selbst ein Hotel in Salzburg führt. "Da wird sicherlich ein Umdenken stattfinden müssen."

Denn die ÖW will auf Basis der gesammelten Daten, die auch aktuelle Besucherströme abbilden, gezielt Marketing-Aktionen für den gesamten österreichischen Tourismus setzen. "Das machen die internationalen Hotelketten auch", sagte Stolba. "Wir wollen nur wissen, in welcher Kategorie und wie lange hat der Gast gebucht, wir wollen keine personalisierten Daten", betonte die ÖW-Chefin. Jeder Hotelier, der seine Daten einspeist, kann auch selbst sämtliche Informationen abrufen. Hier ist also österreichweite Kooperation gefragt und Skepsis muss erst noch ausgeräumt werden.

"Der Tourismus ist globaler und wesentlich schneller geworden - er ist datengetrieben. Das gemeinsame Management der Daten ist wesentlich", so Mahrer. (APA).

 

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