Wenn in leere Produktionshallen der Gründergeist einzieht

Belebung der Wirtschaft: Mit dem Projekt Werkstätte Wattens der Destination Wattens entsteht auf ehemaligen Flächen des Swarovski Werk 2 ein internationales Zentrum für Start-ups und Unternehmen.

„Eigentlich habe ich durch Zufall von diesem Standort erfahren“, sagt Michael Vogele und stellt ächzend eine große Umzugskiste auf den Tisch. MicroGuided Systems, ein Unternehmen, das Geräte für die Radiologie und Neurochirurgie entwickelt, ist eine der ersten Firmen, die ein Team-Office der Werkstätte Wattens bezieht. „Ich kenne viele Industrieparks“, erklärt der erfolgreiche Unternehmer, „aber was die Verantwortlichen hier in Sachen Design, Ambiente und Infrastruktur auf die Beine gestellt haben, ist in der Form einzigartig.“

Historisch und doch modern

Seit gut einem Jahr arbeitet die Destination Wattens Regionalentwicklung GmbH an der Umsetzung einer ihrer wesentlichsten Initiativen zur nachhaltigen Belebung des Wirtschaftsraumes. Und so entsteht in ehemaligen Produktionshallen des Swarovski Werks 2 ein internationales Gründerzentrum.

„Wir wollten die historischen Flächen erhalten, aber dennoch ein modernes Arbeitsumfeld für junge, kreative Start-Ups sowie Unternehmen in unterschiedlichen Entwicklungsphasen schaffen“, erklärt Matthias Neeff, der die Geschäftsführung der Destination Wattens mit Jänner 2016 von Andreas Braun übernimmt. Auf einer Fläche von 2.200 Quadratmetern stehen den Unternehmern neben Werkstätten und Produktionsbereichen auch Team-Offices, ein Co-Working Space sowie ein Fablab zur individuellen Nutzung zur Verfügung.

„Der Ansatz im Co-Working Bereich“, erklärt Neeff und durchquert einen großen, hohen Raum mit zwanzig Arbeitsplätzen, „ist es, Ideen nicht im stillen Kämmerchen, sondern im Austausch mit anderen zu entwickeln.“ Die Nutzung ist dabei sehr flexibel: Es gibt Tages- (15 Euro), Zehntages- (130 Euro) und Monatstickets (200 bis 250 Euro). „Internet, Drucker und Filterkaffee inklusive“, meint der Geschäftsführer lachend.

Fünfzig Prozent der Flächen stehen produzierenden Unternehmen zur Verfügung. Einer von drei Bereichen ist schon vermietet – an das Unternehmen Carbon Competence, das Anlagen für Diamantbeschichtung baut und auch eines der sechs Teamoffices bezogen hat.

Professionelles Service

Hämmern, Bohren, Schrauben. Auf dem großen Areal in der Weisstraße 9 wird noch fleißig gearbeitet. Die ersten Unternehmer haben die Räume am ersten Dezember mit Leben gefüllt. Und während die Handwerker im Fablab – einer digitalen Werkstatt für physische Produkte – noch mit der Wasserleitung zu Gange sind, fördern 3D-Drucker und Lasercutter schon die ersten Teile zutage. Denn in der Destination Wattens entstehen Ideen nicht nur auf dem Papier, sie können auch gleich in Prototypen umgesetzt werden. „Wir sind ein Gründerzentrum, kein Gewerbepark“, betont Neeff. Ergänzend zur Infrastruktur bietet die Destination Wattens daher auch professionelles Service. „Neben Finanzierungs- und Förderberatung, Coaching- und Mentoringprogrammen oder Acceleratoren werden regelmäßig Vorträge und Seminare organisiert, um den interdisziplinären Austausch anzuregen und vernetztes Arbeiten zu fördern. „Überhaupt setzen wir auf die Chancen eines kollaborativen Arbeitsumfeldes“, sagt Neeff und winkt Michael Vogele zu, der die nächste Kiste in sein neues Büro trägt.

Die Destination Wattens Regionalentwicklung GmbH ist ein Private-Public-Partnership-Modell der D. Swarovski KG (60 Prozent) und der Marktgemeinde Wattens (40 Prozent). Im Jahr 2015 hat Swarovski 2,2 Mio. Euro in die Adaptierung der Gebäude investiert. Mit Inbetriebnahme der Werkstätte Wattens, als bisher wichtigste Initiative, übergibt Andreas Braun die Verantwortung mit Jänner 2016 an Matthias Neeff. Das Land Tirol fördert Gründer mit einem Mietmodell.

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